Wozzeck an der Staatsoper Unter den Linden
- Veit Störmer
- 21 dic 2025
- 3 Min. de lectura
Wozzeck, Alban Berg
Staatsoper unter den Linden, Berlin
21.12.2025
Mit der dritten Aufführung der Jubiläumsserie zum 100-jährigen Bestehen von Alban Bergs
Wozzeck zeigte die Staatsoper Unter den Linden erneut die Inszenierung von Andrea Breth.
Die Oper ist in 15 szenische Fragmente unterteilt, und Breth gelingt es eindrucksvoll, die
dunklen Seiten des Menschseins offenzulegen. Die düstere Atmosphäre schafft eine
unmittelbare Verbindung zu den Abgründen der menschlichen Psyche der Protagonisten.
Trotz der kompromisslosen Schwärze bleiben die rund 100 Minuten Spielzeit größtenteils
kurzweilig.
Alban Bergs Wozzeck steht in der Tradition der freien Atonalität nach Schönberg, und der
unharmonische Klang ist zunächst gewöhnungsbedürftig. Unter der musikalischen Leitung
von Christian Thielemann erhält die Staatskapelle Berlin jedoch eine bemerkenswerte
Farbigkeit. Besonders die Zwischenspiele ohne szenische Aktion wirken tief bewegend. Das
letzte Zwischenspiel sowie die Schlussszene waren musikalisch wie szenisch pechschwarz.
Deutlich spürbar war die intensive Arbeit an der Korrepetition, denn die Textverständlichkeit
war bei fast allen Beteiligten herausragend.
Simon Keenlyside gestaltet den Wozzeck als eindringliche Charakterstudie. Sein
Charakterbariton, verbunden mit starkem Schauspiel, zeichnet eine zutiefst zerrissene Figur.
Der gebührende Applaus unterstrich die Wirkung seiner Darstellung.
Anja Kampe überzeugt als Marie mit dramatischem Sopran und einer intensiven Gestaltung
zwischen Rezitativ und Gesang. Ihre Interpretation wirkt geschlossen und konsequent.
Andreas Schager gibt den Tambourmajor mit kraftvoller Bühnenpräsenz und bewegendem
Schauspiel. Zwar hat die Partie vergleichsweise wenig Gesang, dieser bleibt jedoch solide
und wirkungsvoll.
Wolfgang Ablinger-Sperrhacke als Hauptmann und Stephen Milling als Doktor bilden ein
hervorragendes Paar. Ihre intensiven Charakterstudien und die starke gesangliche Leistung
machen jede gemeinsame Szene besonders eindrucksvoll. Man wünscht sich unwillkürlich
mehr Bühnenzeit für dieses Duo.
Anna Kissjudit als Margret hat zwar nur eine kurze Szene, nutzt diese jedoch voll aus und
lässt ihre wunderschöne Altstimme eindrucksvoll zur Geltung kommen.
Insgesamt ein kurzer, aber gelungener Opernabend mit einer vergleichsweise selten
gespielten Oper, die tief in der Geschichte der Staatsoper verwurzelt ist.
Veit Störmer




Photos: Stephan Rabold
With the third performance of the anniversary series marking the 100th anniversary of Alban
Berg’s Wozzeck, the Staatsoper Unter den Linden once again presented the production by
Andrea Breth. The opera is divided into 15 scenes, and Breth succeeds impressively in
revealing the dark sides of human existence. The bleak atmosphere creates an immediate
connection to the abysses of the protagonists’ psyches. Despite its uncompromising
darkness, the roughly 100-minute running time remains largely engaging.
Alban Berg’s Wozzeck stands in the tradition of free atonality following Schoenberg, and its
unharmonious sound can initially take some getting used to. Under the musical direction of
Christian Thielemann, however, the Staatskapelle Berlin is given remarkable colour. The
interludes without stage action are particularly moving. The final interlude and the last scene
were pitch-black both musically and scenically. One could clearly sense the great care
devoted to rehearsal and coaching, as the text intelligibility was outstanding in almost all
cases.
Simon Keenlyside shapes Wozzeck as an intense character study. His character baritone,
combined with strong acting, portrays a deeply fractured figure. The well-deserved applause
underscored the impact of his performance.
Anja Kampe convinces as Marie with a dramatic soprano and an intense shaping between
recitative and song. Her interpretation feels cohesive and consistent.
Andreas Schager presents the Tambourmajor with powerful stage presence and moving
acting. Although the role offers comparatively little singing, what there is remains solid and
effective.
Wolfgang Ablinger-Sperrhacke as the Hauptmann and Stephen Milling as the Doctor form an
outstanding pair. Their intense character studies and strong vocal performances make every
scene they share particularly impressive, leaving one instinctively wishing for more stage
time for this duo.
Anna Kissjudit, as Margret, has only a single scene, but makes full use of it and once again
brings her beautiful alto voice strikingly to the fore.
Overall, a short but successful operatic evening with a relatively rarely performed work that
is deeply rooted in the history of the Staatsoper.
Veit Störmer




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