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Eine schweigsame Frau, über die man sprechen muss!

  • Veit Störmer
  • hace 2 horas
  • 7 min de lectura

Schweigsame Frau, Richard Strauss

Staatsoper Unter den Linden, Berlin

9. Mai 2026


Musikalische Leitung: Christian Thielemann, Inszenierung: Jan Philipp Gloger

Sir Morosus: Peter Rose, Aminta: Brenda Rae, Henry Morosus: Siyabonga Maqungo,

Barbier: Samuel Hasselhorn, Isotta: Serafina Starke, Haushälterin: Evelyn Herlitzius


Es gibt Opernabende, bei denen man sich schon nach kurzer Zeit fragt, warum ein Werk

eigentlich so selten gespielt wird. Die schweigsame Frau war genau so ein Abend. Nach

Ring, Wozzeck und Rosenkavalier stand nun die vierte Produktion der Saison unter

Christian Thielemann an, und erneut zeigte sich, wie unterschiedlich Strauss klingen kann.

Die Wiederaufnahme von Jan Philipp Glogers Inszenierung erwies sich als erfrischend,

kurzweilig und mit viel Liebe zum Detail gearbeitet. Besonders auffällig war, wie sorgfältig

kleine szenische Feinheiten ausgearbeitet wurden. Gerade die vielen Ensemble und Tutti

Stellen, die sich bei Strauss durchaus ziehen können, waren ständig in Bewegung und voller

Ideen. Immer wieder gab es kleine Momente am Rand, Reaktionen, Gesten oder

Situationen, die das Ganze lebendig hielten. Man merkte sehr deutlich, wie viel Arbeit und

Liebe in dieser Wiederaufnahme steckte.


Etwas störend blieb allerdings die zusätzliche Politisierung über die Vorspiele. Themen wie

Wohnungsnot in Berlin oder Alterseinsamkeit werden dort eingebracht, wirken aber eher

aufgesetzt und nicht wirklich aus der eigentlichen Inszenierung heraus entwickelt. Gerade

weil die Produktion selbst so gut funktioniert, hätte sie diese zusätzlichen Kommentare

eigentlich gar nicht gebraucht.


Musikalisch war der Abend jedoch eine große Freude. Christian Thielemann scheint sich

momentan tatsächlich immer wieder selbst neu zu entdecken. Nach dem eher

schwelgerischen Rosenkavalier hörte man hier einen ganz anderen Strauss Klang. Alles war

beweglicher, schwungvoller und flexibler. Gleichzeitig blieb die Detailarbeit enorm.

Besonders schön war, wie liebevoll einzelne Farben und Instrumente herausgearbeitet

wurden. Die Solisten im Graben bekamen immer wieder ihre eigenen Momente, ohne dass

es je aufgesetzt wirkte. Alles floss ganz natürlich ineinander. Nach einem solchen Dirigat

fragt man sich tatsächlich, warum dieses Werk nicht viel häufiger auf den Spielplänen

auftaucht. Es war ein Strauss Klang voller Energie und Spielfreude.


Peter Rose als Sir Morosus ist eine absolute Bank. Der Strauss Hüne scheint sich einfach

nicht von seinem gesanglichen Frühling verabschieden zu wollen. Stilistisch vollkommen

sicher, mitreißend in der Gestaltung und dazu ein Spiel, das ständig zwischen Komik und

Menschlichkeit pendelte. Gerade bei einer Figur, die leicht zur Karikatur werden könnte,

gelang ihm etwas viel Schwierigeres: Man lachte über Morosus und verstand ihn

gleichzeitig.


Samuel Hasselhorn war ebenfalls überragend. Spielerisch riss er die Bühne immer wieder

an sich. Sein Barbier war unglaublich lebendig und mit einer großen Freude an Sprache

gestaltet. Einzelne Phrasen bekamen plötzlich Gewicht, kleine Akzente wurden zu Pointen.

Man hatte oft das Gefühl, dass er die Show fast unbemerkt an sich zieht.


Siyabonga Maqungo bleibt ohnehin eine Bank. Sein strahlender Tenor und seine besondere

Sprachfärbung haben eine Wärme, die sofort einnimmt. Über jeden Einsatz freut man sich

einfach. Und langsam stellt sich wirklich die Frage, wann die ersten größeren Wagner Rollen

kommen. Ein Parsifal oder Walther scheinen inzwischen durchaus vorstellbar.


Brenda Rae gestaltete Aminta sehr berührend. Besonders schön war, dass sich Spiel und

Gesang gegenseitig getragen haben. Man spürte die Zerrissenheit der Figur nicht nur in

einzelnen Gesten, sondern auch in der Stimme selbst.


Serafina Starke erledigte ihre Aufgabe als Isotta ordentlich und fügte sich gut in das

Ensemble ein, ohne sich besonders in den Vordergrund zu drängen.


Evelyn Herlitzius als Haushälterin brachte natürlich weiterhin ihre enorme Bühnenpräsenz

mit. Gleichzeitig merkt man, dass die Stimme nicht mehr dieselbe ist wie früher. Vieles lebt

inzwischen stärker von Erfahrung, Persönlichkeit und Darstellung als von der früheren

vokalen Kraft.


Überhaupt fiel an diesem Abend auf, wie stark die Sänger in den Gesamtklang eingebettet

wurden. Unter Thielemann standen keine einzelnen Stimmen vor dem Orchester, sondern

die Figuren entstanden gemeinsam mit ihm. Die Sänger waren nicht einfach Solisten,

sondern Teil einer musikalischen Welt.


Am Ende blieb vor allem ein Abend, der einem ein viel zu selten gespieltes Werk auf

wunderbare Weise nähergebracht hat. Nicht durch große Effekte, sondern durch

Detailarbeit, Spielfreude und einen Strauss Klang, der ständig Lust auf mehr gemacht hat.


Veit Störmer



A Schweigsame Frau Worth Talking About


There are opera evenings where, after only a short time, one begins to wonder why a work is

performed so rarely. Die schweigsame Frau was exactly that kind of evening. After Ring,

Wozzeck, and Der Rosenkavalier, this marked Christian Thielemann’s fourth production of

the season, and once again it showed just how many different faces Strauss can have.


Jan Philipp Gloger’s revival felt refreshing, entertaining, and crafted with a great amount of

care. Particularly noticeable was the attention given to small scenic details. The many

ensemble and tutti passages, which in Strauss can occasionally feel long, were constantly in

motion and full of ideas. There was always something happening: small gestures, reactions,

little details at the edges of the stage that kept the performance alive. One could clearly feel

how much work and affection had gone into this revival.


What remained somewhat distracting, however, was the added political framing in the

overture scenes. Themes such as Berlin’s housing crisis and loneliness in old age were

introduced but felt rather imposed and not truly developed from the production itself.

Especially because the production works so well on its own, these additions felt

unnecessary.


Musically, however, the evening was a great pleasure. Christian Thielemann seems to be

continually rediscovering himself at the moment. After the broader, more indulgent sound of

Der Rosenkavalier, this was a very different Strauss. More flexible, more energetic, more

agile, while maintaining an extraordinary level of detail.


Particularly beautiful was the way individual instrumental colors were brought out. The solo

players in the pit repeatedly had their own moments without ever sounding self-conscious.

Everything flowed naturally together. After a performance like this, one genuinely wonders

why this opera is not performed more often. It was Strauss full of energy and joy.


Peter Rose as Sir Morosus remains an absolute institution. The Strauss giant seems

unwilling to say goodbye to his vocal springtime. Stylistically secure, engaging in every

detail, and paired with acting that constantly balanced humor and humanity. With a role that

can easily become caricature, he achieved something much harder: audiences could laugh

at Morosus and understand him at the same time.


Samuel Hasselhorn was equally outstanding. His Barber repeatedly stole scenes almost

effortlessly. He shaped language with enormous pleasure, giving individual phrases and

accents a life of their own. At times it felt as though he quietly took over the show.


Siyabonga Maqungo continues to be a constant presence. His bright tenor and unique way

with the language have an immediate warmth that draws listeners in. Every appearance of

his simply feels welcome. And one increasingly wonders when larger Wagner roles will

arrive. A Parsifal or Walther certainly no longer seems unrealistic.


Brenda Rae gave a touching portrayal of Aminta. What stood out was how naturally singing

and acting supported one another. The emotional conflict of the character could be heard

just as much as it could be seen.


Serafina Starke handled Isotta solidly and integrated well into the ensemble without pushing

herself into the foreground.


Evelyn Herlitzius as the Housekeeper naturally still brought enormous stage presence. At

the same time, it is clear that the voice is no longer what it once was. Much now comes more

from experience, personality, and characterization than from pure vocal force.



Overall, one thing stood out throughout the evening: under Thielemann, the singers never

simply stood in front of the orchestra. Instead, they became part of the overall sound world.

They were not merely soloists but part of a larger musical picture.


In the end, this was above all an evening that brought a far too rarely performed work vividly

to life. Not through spectacle, but through detail, joy in performance, and a Strauss sound

that constantly left one wanting more.


Veit Störmer





Una Schweigsame Frau de la que hay que hablar


Hay noches de ópera en las que, después de pocos minutos, uno empieza a preguntarse

por qué una obra se representa tan pocas veces. Die schweigsame Frau fue exactamente

una de esas noches. Después del Ring, Wozzeck y Der Rosenkavalier, esta fue la cuarta

producción de la temporada bajo Christian Thielemann, y una vez más quedó claro cuántas

caras distintas puede tener Strauss.


La reposición de Jan Philipp Gloger resultó fresca, entretenida y realizada con mucho

cuidado. Llamó especialmente la atención el trabajo en los pequeños detalles escénicos.

Las numerosas escenas de conjunto y tutti, que en Strauss a veces pueden hacerse largas,

estaban constantemente llenas de movimiento e ideas. Siempre había algo que descubrir:

gestos, reacciones o pequeños detalles que mantenían viva la representación. Se percibía

claramente cuánto trabajo y cariño había detrás de esta reposición.


Lo único algo molesto fue la politización añadida en los preludios. Temas como la crisis de

vivienda en Berlín o la soledad en la vejez aparecieron de forma algo forzada y no parecían

surgir naturalmente de la propia producción. Precisamente porque la puesta en escena

funciona tan bien por sí sola, estos elementos adicionales parecían innecesarios.


Musicalmente, en cambio, la velada fue un verdadero placer. Christian Thielemann parece

estar redescubriéndose constantemente. Después del sonido más amplio y expansivo de

Der Rosenkavalier, aquí apareció un Strauss completamente distinto: más flexible, más

dinámico y más ágil, sin perder nunca la atención por el detalle.


Fue especialmente hermoso escuchar cómo surgían los colores instrumentales individuales.

Los solistas de la orquesta tuvieron repetidamente sus propios momentos sin que nada

pareciera artificial. Todo fluía con naturalidad. Después de una interpretación así, uno

realmente se pregunta por qué esta ópera no forma parte del repertorio habitual.


Peter Rose como Sir Morosus sigue siendo una institución absoluta. Este gigante

straussiano parece negarse a abandonar su primavera vocal. Estilísticamente seguro,

cautivador en cada detalle y con una actuación que equilibró constantemente humor y

humanidad. En un papel que fácilmente podría convertirse en caricatura, logró algo mucho

más difícil: hacer que el público se riera de Morosus y al mismo tiempo lo comprendiera.

Samuel Hasselhorn fue igualmente sobresaliente. Su Barbero se adueñó repetidamente de

las escenas casi sin esfuerzo. Dio vida a las frases y pequeños detalles con enorme placer

y naturalidad.


Siyabonga Maqungo sigue siendo una presencia segura. Su brillante tenor y su particular

forma de abordar el idioma tienen una calidez inmediata. Cada aparición suya se disfruta. Y

cada vez surge más la pregunta de cuándo llegarán los grandes papeles wagnerianos. Un

Parsifal o un Walther ya parecen perfectamente posibles.


Brenda Rae ofreció una Aminta muy emotiva. Resultó especialmente hermoso cómo canto e

interpretación se apoyaban mutuamente. El conflicto interior del personaje podía

escucharse tanto como verse.


Serafina Starke cumplió correctamente como Isotta y se integró bien en el conjunto sin

buscar protagonismo.


Evelyn Herlitzius como ama de llaves sigue teniendo una enorme presencia escénica. Al

mismo tiempo, se percibe que la voz ya no es la misma que antes. Ahora mucho proviene

más de la experiencia, la personalidad y la interpretación que de la pura fuerza vocal.

En general, algo fue especialmente evidente durante toda la velada: bajo Thielemann, los

cantantes no estaban simplemente delante de la orquesta, sino que formaban parte de una

gran construcción sonora.


Al final quedó sobre todo una noche que logró acercar de manera maravillosa una obra que

se representa demasiado poco. No mediante grandes efectos, sino mediante el detalle, la

alegría escénica y un Strauss que constantemente invitaba a escuchar más.


Veit Störmer

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