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Geht, es gibt keine Liebe mehr 

  • Veit Störmer
  • 5 ago
  • 9 min de lectura

Rienzi, Bayreuther Festspiele, 03.08.2026 


Musikalische Leitung: Nathalie Stutzmann

Inszenierung: Alexandra Szemerédy, Magdolna Parditka

Rienzi: Andreas Schager, Irene: Gabriela Scherer, Adriano: Jennifer Holloway, Steffano Colonna: Andreas Bauer Kanabas, Paolo Orsini: Michael Nagy, Baroncelli: Matthias Stier, Cecco del Vecchio: Michael Kupfer Radecky 


Eine spannende Wiederentdeckung mit Brüchen 

Die zweite Aufführung von Rienzi in Bayreuth brachte erwartungsgemäß keine großen Änderungen gegenüber der Premiere. Trotzdem lohnt sich der Blick auf dieses Werk. Man hört den jungen Wagner, gleichzeitig aber auch Meyerbeer, Bellini und Rossini. Genau diese Mischung macht Rienzi spannend, zeigt aber auch, warum das Werk bis heute nicht zum regulären Bayreuther Kanon gehört. 


Immer wieder entstehen ungewohnte Momente. Nach Arien, Duetten oder Terzetten erklingen klassische Ganzschlüsse, die eigentlich nach Applaus verlangen. Doch das Bayreuther Publikum schweigt. Vielleicht dürfte man hier ruhig einmal über den eigenen Schatten springen. 


Szenisch beginnt die Inszenierung sehr stark. Rienzis Aufstieg und die Euphorie der Massen werden eindrucksvoll erzählt. Besonders der Wahlprozess funktioniert hervorragend und wirkt erstaunlich aktuell. Auch die moderne, zeitlose Ästhetik überzeugt, und insgesamt wird das Maximum aus der Bühne herausgeholt. 


Danach entfernt sich die Regie allerdings zunehmend vom Werk. Die inzestuöse Beziehung zwischen Rienzi und Irene bleibt unbegründet, Adriano als Frau bringt der Handlung keinen wirklichen Mehrwert und die Militarisierung des Volkes im dritten Akt wirkt zwar eindrucksvoll, findet sich so aber weder im Libretto noch in Wagners Figurenzeichnung. Vor allem Rienzis innere Zerrissenheit, die das Werk eigentlich prägt, bleibt weitgehend außen vor. 


Trotzdem bleibt es eine kurzweilige Inszenierung mit vielen starken Bildern, die Spaß macht, auch wenn nicht jede Idee bis zum Ende durchdacht ist. 


Viel Tempo, etwas wenig Dramatik 

Musikalisch war das ein insgesamt guter Abend. Nathalie Stutzmann wurde zwar euphorisch gefeiert, ganz so eindeutig fiel ihr Dirigat aber nicht aus. 


Im Vergleich zur Premiere fehlten diesmal Präzision und Kontur. Vieles verschmolz zu einem großen Klang, einzelne Einsätze wirkten stellenweise verwaschen. Gleichzeitig arbeitete Stutzmann immer wieder schöne Farben und einzelne Instrumente aus dem Orchester heraus. 


Auffällig war vor allem das sehr schnelle Grundtempo. Dadurch entwickelte der Abend einen enormen Zug und verging wie im Flug. Gleichzeitig verloren manche Szenen an Gewicht. Besonders Rienzis große Rede hätte mehr Ruhe und mehr Größe vertragen.


Andreas Schager ist ein Phänomen! 

Vier Stunden lang singt er diesen Rienzi mit einer Intensität, wie sie derzeit wohl kein anderer Tenor aufbringen könnte. Sein Organ ist außergewöhnlich. Es gibt momentan keinen vergleichbaren Heldentenor, der die Töne mit einer solchen Lautstärke in den Raum schleudert. Andreas Schager zuzuhören, macht einfach Spaß. 


Häufig fehlte ihm in langen Wagnerpartien am Ende etwas die Kraft. Diesmal überhaupt nicht. Er kam problemlos bis zum Schluss durch. Was ihm mittlerweile etwas fehlt, ist die gesangliche Linie. Die großen Ausbrüche gelingen mühelos, leise und melodische Passagen überzeugen dagegen weniger und wirken nicht immer ganz gerade geführt. 


Gabriela Scherer ist gegenüber der Premiere regelrecht aufgeblüht. Nicht nur szenisch als Rienzis politische Wegbereiterin, sondern vor allem gesanglich. Besonders das Schlussduett mit Adriano gelang hervorragend. Sie blieb immer auf der Gesangslinie, sang mit großem Ausdruck und genau der richtigen Dramatik. 


Jennifer Holloway war wie schon in der Premiere überragend. Darüber, dass man nur ab und zu ein Wort versteht, sieht man bei diesem intensiven Klang der Stimme gerne hinweg. Gemeinsam mit Gabriela Scherer nahm sie die Bühne häufig für sich ein. Ihre sanfte, fast liebliche Stimme kann sich innerhalb weniger Sekunden in eine beängstigende Dramatik verwandeln. Eine beeindruckende Rollengestaltung. 


Auch die kleineren Partien waren hervorragend besetzt. Michael Nagy überzeugte mit seinem gewohnt schön klingenden Bariton, Andreas Bauer Kanabas mit seinem edlen Bass und viel Gravitas. Gerade die Szene um den geplanten Umsturz gelang beiden ausgezeichnet. 


Matthias Stier besitzt zwar noch keinen besonders durchsetzungsfähigen Tenor, überzeugt aber mit hervorragender Textverständlichkeit und einer angenehm freien Stimme. Michael Kupfer Radecky ist in Bayreuth ohnehin längst eine Bank. Sein markanter Bariton und seine natürliche Autorität machen Cecco del Vecchio zu einer starken Nebenfigur. 


Geht, es gibt keine Liebe mehr 

Am Ende steht ein toter Rienzi, eine suizidale Irene und ein innerlich toter Adriano. Diese zweite Aufführung zeigt noch einmal gut, warum Rienzi ein so spannendes, aber auch schwieriges Werk ist. Die Inszenierung erzählt die Geschichte verständlich und entwickelt viele starke Bilder, entfernt sich aber an einigen Stellen unnötig weit vom Werk. Musikalisch war das ein guter Abend, auch wenn Stutzmanns hohes Tempo und die geringere Präzision gegenüber der Premiere nicht jeder Szene guttaten. Vor allem Andreas Schager trägt diese Aufführung. Dazu kommen eine deutlich gesteigerte Gabriela Scherer und eine erneut großartige Jennifer Holloway. Gerade sie machen diesen Rienzi zu einem Abend, den man trotz seiner Schwächen gerne gesehen hat.


Veit Störmer

Deputy Director of Lohengrin Magazine


Photos: Enrico Nawrath, Bayreuther Festspiele 2026



A Fascinating Rediscovery with Its Flaws 

The second performance of Rienzi in Bayreuth brought, as expected, few changes compared to the premiere. Even so, the work itself remains well worth discussing. One hears the young Wagner, but just as clearly Meyerbeer, Bellini and Rossini. This mixture is exactly what makes Rienzi so fascinating, while also explaining why it has never become part of Bayreuth's regular repertoire. 


Time and again, unusual moments arise. After arias, duets or trios, Wagner ends with full cadences that almost beg for applause. Yet the Bayreuth audience remains silent. Perhaps this is one work where the audience could allow itself to break with tradition. 


The production begins very convincingly. Rienzi's rise to power and the enthusiasm of the masses are portrayed impressively. The election scenes, in particular, feel remarkably relevant today. The modern, timeless staging also works well, making excellent use of the stage. 


As the evening progresses, however, the production moves further and further away from the work itself. The incestuous relationship between Rienzi and Irene remains unexplained, portraying Adriano as a woman adds little to the story, and although the militarisation of the people in the third act is visually striking, it is neither found in the libretto nor in Wagner's conception of the drama. Above all, Rienzi's inner conflict, which is one of the opera's greatest strengths, is largely ignored. 


Even so, the production remains entertaining, full of strong stage images and genuinely enjoyable, even if not every idea is carried through to the end. 


Fast Tempi, Not Quite Enough Drama 

Musically, the evening left a positive overall impression. Nathalie Stutzmann received an enthusiastic ovation, although her conducting deserves a slightly more nuanced assessment. 


Compared with the premiere, the orchestral playing lacked some of its former precision and sharpness. Much of the sound blended together, and certain entries felt blurred. On the other hand, Stutzmann repeatedly brought individual instrumental colours to the foreground with great sensitivity. 


Most striking was her very fast basic tempo. It gave the performance tremendous momentum, and the four hours passed remarkably quickly. At times, however, this came at the expense of the drama. Some of the great scenes, especially Rienzi's major speech, would have benefited from more breadth and weight. 


Andreas Schager Is a Phenomenon! 

For four hours, Andreas Schager sings Rienzi with an intensity that hardly any other tenor today could sustain. His instrument is extraordinary. There is currently no comparable Heldentenor capable of projecting the voice with such effortless power. Simply listening to Andreas Schager sing is a pleasure. 


In the past, one sometimes had the impression that he struggled with stamina toward the end of long Wagner performances. Not this time. He reached the end seemingly without difficulty. What he does lack today, however, is the long vocal line. The great outbursts are effortless, while quieter, more lyrical passages are less convincing and not always perfectly sustained. 


Gabriela Scherer truly blossomed compared with the premiere. Not only dramatically, as Rienzi's political ally, but above all vocally. Her final duet with Adriano was especially impressive. She never abandoned the vocal line, sang with great expression and exactly the right amount of dramatic intensity. 


Jennifer Holloway was once again outstanding. One gladly overlooks the fact that not every word is understandable because of the sheer intensity of her voice. Together with Gabriela Scherer, she dominated the stage whenever they appeared together. Her voice still possesses a gentle, almost lyrical quality, yet it can transform within seconds into something genuinely frightening. An impressive portrayal. 


The smaller roles were also excellently cast. Michael Nagy impressed with his beautifully sung baritone, while Andreas Bauer Kanabas contributed an elegant bass full of gravitas. Their conspiracy scene was one of the strongest supporting moments of the evening. 

Matthias Stier may not yet possess the most powerful tenor, but he stands out through excellent diction and a fresh, natural sound. Michael Kupfer Radecky has long since become a Bayreuth mainstay. His distinctive baritone and natural authority make Cecco del Vecchio one of the evening's strongest supporting characters. 


"Go, There Is No More Love" 

In the end, Rienzi lies dead, Irene chooses suicide, and Adriano is left emotionally destroyed. This second performance once again demonstrates why Rienzi is such a fascinating yet difficult work. The production tells the story clearly and creates many striking images, even if it occasionally strays unnecessarily far from Wagner's intentions. Musically, it was a solid evening, although Stutzmann's brisk tempi and the loss of precision compared with the premiere did not always serve the drama. 


Above all, Andreas Schager carries the performance. Together with a much-improved Gabriela Scherer and another outstanding Jennifer Holloway, he turns Rienzi into an evening that, despite its shortcomings, was well worth experiencing.


Veit Störmer

Deputy Director of Lohengrin Magazine




Un redescubrimiento fascinante con sus contradicciones 

La segunda representación de Rienzi en Bayreuth no trajo grandes cambios con respecto al estreno, algo que era de esperar. Aun así, merece la pena volver a mirar esta obra. En ella se escucha al joven Wagner, pero también con claridad a Meyerbeer, Bellini y Rossini. Precisamente esa mezcla hace que Rienzi resulte tan fascinante, aunque también explica por qué nunca ha formado parte del repertorio habitual de Bayreuth. 


Una y otra vez surgen momentos poco habituales. Tras arias, dúos o tríos aparecen cadencias finales que prácticamente invitan al aplauso. Sin embargo, el público de Bayreuth permanece en silencio. Quizá precisamente en esta obra podría permitirse romper con esa tradición. 


La puesta en escena comienza con mucha fuerza. El ascenso de Rienzi y el entusiasmo de las masas están narrados con gran eficacia. Las escenas electorales, en particular, resultan sorprendentemente actuales. La estética moderna y atemporal también convence y aprovecha muy bien el escenario. 


Con el paso de la función, la dirección escénica se aleja cada vez más de la obra. La relación incestuosa entre Rienzi e Irene nunca llega a justificarse, convertir a Adriano en un personaje femenino apenas aporta algo a la historia y, aunque la militarización del pueblo en el tercer acto resulta visualmente impactante, no aparece ni en el libreto ni en la concepción dramática de Wagner. Sobre todo, se deja de lado el conflicto interior de Rienzi, uno de los aspectos más interesantes del personaje. 


Aun así, la producción sigue siendo entretenida, llena de imágenes potentes y realmente agradable de ver, aunque no todas las ideas estén desarrolladas hasta el final. 


Mucho impulso, poca épica 

Musicalmente, la velada dejó una impresión positiva en conjunto. Nathalie Stutzmann fue recibida con una gran ovación, aunque su dirección merece una valoración algo más matizada. 


En comparación con el estreno, la orquesta perdió parte de su precisión y de sus contornos. El sonido aparecía más fusionado y algunas entradas resultaban algo difusas. Al mismo tiempo, Stutzmann supo destacar repetidamente bellos colores instrumentales y detalles de la partitura. 


Lo más llamativo fue el tempo general, muy rápido. Eso dio un gran impulso a la representación y las cuatro horas pasaron con sorprendente rapidez. Sin embargo, en algunos momentos esa velocidad restó dramatismo. Grandes escenas, como el discurso de Rienzi, habrían necesitado más amplitud y más peso. 


¡Andreas Schager es un fenómeno! 

Durante cuatro horas, Andreas Schager canta este Rienzi con una intensidad que hoy difícilmente puede igualar otro tenor. Su instrumento es extraordinario. Actualmente no existe otro Heldentenor capaz de proyectar la voz con semejante potencia. Escuchar cantar a Andreas Schager es, sencillamente, un placer.


En otras ocasiones daba la impresión de que el esfuerzo le pasaba factura al final de las largas funciones wagnerianas. Esta vez no ocurrió. Llegó al final sin mostrar signos de cansancio. Lo que sí se echa de menos es una línea de canto más cuidada. Los grandes estallidos vocales siguen siendo impresionantes, pero los pasajes más líricos y delicados resultan menos convincentes y no siempre mantienen la misma estabilidad. 


Gabriela Scherer floreció claramente con respecto al estreno. No solo escénicamente, como la gran aliada política de Rienzi, sino sobre todo vocalmente. El dúo final con Adriano fue uno de los momentos más logrados de la noche. Nunca perdió la línea de canto y supo combinar expresión y dramatismo con gran equilibrio. 


Jennifer Holloway volvió a ser extraordinaria. Que no siempre se entienda cada palabra pasa a un segundo plano gracias a la intensidad de su voz. Junto a Gabriela Scherer dominó el escenario cada vez que ambas coincidieron. Su voz conserva un color dulce y casi lírico, pero puede transformarse en cuestión de segundos en una fuerza dramática realmente sobrecogedora. Una interpretación magnífica. 


También los papeles secundarios estuvieron muy bien cubiertos. Michael Nagy convenció con su hermoso barítono y Andreas Bauer Kanabas aportó un bajo noble y lleno de gravedad. La escena de la conspiración fue uno de los mejores momentos entre los secundarios. 


Matthias Stier quizá todavía no posea un tenor especialmente potente, pero destaca por su excelente dicción y por un sonido libre y natural. Michael Kupfer Radecky es ya una auténtica referencia en Bayreuth. Su barítono rotundo y su autoridad natural convierten a Cecco del Vecchio en uno de los personajes secundarios más sólidos de la función. 


«Idos, ya no existe el amor» 

Al final, Rienzi yace muerto, Irene se suicida y Adriano queda destruido por dentro. Esta segunda representación vuelve a demostrar por qué Rienzi es una obra tan fascinante como problemática. La producción narra la historia con claridad y crea imágenes de gran fuerza, aunque en algunos momentos se aleja innecesariamente del espíritu de Wagner. Musicalmente fue una buena velada, aunque los tempi rápidos de Stutzmann y la menor precisión respecto al estreno no beneficiaron siempre al drama. 


Sobre todo, Andreas Schager sostiene toda la representación. Junto a una Gabriela Scherer claramente superior a la del estreno y una Jennifer Holloway nuevamente extraordinaria, convierte Rienzi en una función que, pese a sus debilidades, merece plenamente la pena.


Veit Störmer

Deputy Director of Lohengrin Magazine

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