Rheingold im Deutsche Oper Berlin
- Niklas Vogel
- 19 may
- 10 min de lectura
Das Rheingold, Richard Wagner
Deutsche Oper Berlin
16.05.2026
Cast:
Conductor: Sir Donald Runnicles
Director: Stefan Herheim
Voices: Iain Paterson (Wotan), Thomas Lehman (Donner), Kieran Carrel (Froh), Thomas Blondelle (Loge), Michael Sumuel (Alberich), Ya-Chung Huang (Mime), Albert Pesendorfer (Fasolt), Tobias Kehrer (Fafner), Annika Schlicht (Fricka), Martina Welschenbach (Freia), Lauren Decker (Erda), Lea-ann Dunbar (Woglinde), Arianna Manganello (Wellgunde), Karis Tucker (Flosshilde).
Orchester der Deutschen Oper Berlin
Die Deutsche Oper Berlin schenkt ihrem Generalmusikdirektor Sir Donald
Runnicles zum Abschied zwei Ringzyklen. Dafür wurde noch einmal die
Produktion von Stefan Herheim wortwörtlich auf die Bühne gewuchtet,
denn im Laufe der Geschichte türmen sich dort hunderte von alten
Lederkoffern.
Alles beginnt aber mit einem einsamen Flügel auf der völlig leeren und
offenen Bühne im Putzlicht. Eine Gruppe Menschen, müde von einem
scheinbar langen Marsch und angeführt von einem Mann im schwarzen
Mantel und Hut (er wird später zu Wotan, andere zu den restlichen
Charakteren), bleibt davor stehen.
Anders als viele Opernhäuser, wo „Das Rheingold“ in völliger Dunkelheit
beginnt, brennt hier das Licht selbst im Zuschauerraum bis kurz vor dem
ersten Gesangseinsatz. Dieser „Ring“ entsteht aus dem Kollektiv und das
Publikum ist ein unmittelbarer Teil davon. Mehrmals wird im Verlauf der
nächsten Tage das Licht im Saal während der Musik angehen und hier
zeigt sich der große Haken der Produktion.
Herheim gelingt es in den seltensten Fällen, einen klaren Fokus zu setzen
und ein verkopftes Konzept adäquat und schlüssig auf die Bühne zu
bringen. Die Menschengruppe bleibt als Statisten und Statistinnen fast
durchgehend auf der Bühne, meistenteils um auf die Handlung zu
reagieren, aber auch, um technische Vorgänge einigermaßen künstlerisch
wertvoll zu gestalten. Das klappt mal mehr, mal weniger, in allen Fällen
jedoch lenken die über 30 Personen sehr vom Geschehen ab. Dass dieses
inhaltlich aber auch gar nicht so viel hergibt, fällt da kaum ins Gewicht.
Da alle handelnden Figuren (außer Loge, die drei Göttinnen und Mime)
der einheitlichen Masse entspringen, fehlt der Geschichte einiges an
Fallhöhe. Herheim verfängt sich direkt am Anfang in sinnentleertem,
unlustigem und übersexualisiertem Slapstick, so ist niemand auf der Bühne
wirklich ernst zu nehmen. Jeder Gott hat Sex mit einer Rheintochter,
Alberich steckt Loge und Wotan mit der Macht des Rings jeweils einen
Finger in den Hintern und der mächtige „Riesenwurm“ ist Alberichs Glied.
Zwischendurch sind die Götter mit mäßig choreografiertem Kreuzschritt
unterwegs, hier und da legt Loge ein kleines Feuer und Freia hat sich
wirklich in Fasolt verliebt, wie putzig.
Umso brachialer und unnötiger ist dann der Bruch in der dritten Szene,
wenn sich um Alberich eine Hitlergruß zeigende Nazi-Armee formiert.
Mime tritt als Richard Wagner höchstpersönlich auf und hat
passenderweise die Partitur des „Rheingold“ mit dabei. Wotan zieht am
Ende daraus Nothung hervor, kommt aber nicht auf die Idee, darin zu
blättern und vielleicht die ein oder andere falsche Entscheidung frühzeitig
zu revidieren.
Sir Donald Runnicles geht es langsam an. Über zweieinhalb Stunden
dauert sein „Rheingold“ (Kirill Petrenko war bei der konzertanten
Aufführung in der Philharmonie vor einem Monat eine knappe
Viertelstunde schneller) und über weite Strecken will deshalb auch keine
rechte Spannung aufkommen. Mag der Beginn noch gut funktionieren,
schwächt das bequeme Tempo bereits Alberichs Liebesfluch deutlich ab.
An Stellen wie Donners Gewitter wirken die sonst so flirrenden
Streicherfiguren sehr schnell ziemlich behäbig.
Einzig die Verwandlung zu Nibelheim ist (bis auf die asynchronen
Ambosse) ein prägnanter Höhepunkt. Das Orchester der Deutschen Oper
hat indes einen tollen Klang, das tiefe Blech ist sehr präsent und die
Holzbläser in angenehmer Harmonie.
Die sängerische Überraschung des Abends ist Michael Sumuel. Bei seinem
Rollendebüt als Alberich beweist er hervorragende Textarbeit und eine
äußerst geschmackvolle Gestaltung. Seine angenehm weiche Mittellage
lässt einen fast vergessen, dass es sich bei ihm um den Bösewicht handelt.
Nur in den Spitzentönen wünscht man sich etwas mehr Freiheit und
Vertrauen.
Sehr nasal spricht Iain Paterson die Partie des Wotan, die Stimme ist gegen
Ende nicht mehr ganz frisch. Eindrucksvoll gelingt ihm allerdings der
Schluss der zweiten Szene („Ihr andern harrt bis Abend hier...“) wenn er
als durchgreifender Göttervater gefragt ist.
Thomas Blondelle vollführt als Loge einen Drahtseilakt. Muss er als
unmenschliche Mephisto-Figur körperlich alle möglichen Kunststückchen
zeigen, so geht er auch in seiner gesanglichen Interpretation an die
Grenzen, teilweise an die des guten Geschmacks. Beeindruckend ist es
aber alle Mal, wie er jede einzelne Silbe plastisch gestaltet, von einem
Schrei in einen dann wieder fast körperlosen, hohlen Klang wechselt, wie
er trotzdem alles hörbar und resonant ausbalanciert.
Der Spagat zwischen parodistischer Darstellung und wirklich kultiviertem
Gesang gelingt am besten Annika Schlicht und Kieran Carrel. Sie singt die
Fricka mit dunklem, gut fokussierten Mezzo. Und er lässt nach einem
fantastischen Erik Anfang des Jahres auch als Froh mit seinem attraktivem
und volltönenden Tenor aufhorchen.
Weitere Highlights sind Martina Welschenbach als Freia (ein heller Sopran
mit Sieglinden-Stimme), Albert Pesendorfers schön gestalteter und
mächtig klingender Fasolt und Ya-Chung Huang, der wohl beste Mime
seiner Generation. Das harmonische Rheintöchter-Trio (Lea-ann Dunbar
mit starkem Sopran, Arianna Manganello mit schlankem Mezzo und die
feinfühlige Karis Tucker) runden die Besetzung würdig ab.
Niklas Vogel
Photos: Bernd Uhlig




The Deutsche Oper Berlin is bidding farewell to its Generalmusikdirektor Sir Donald Runnicles with two complete *Ring* cycles. For the occasion, Stefan Herheim’s production has quite literally been hauled back onto the stage, as hundreds of old leather suitcases pile up throughout the course of the drama.
Everything begins, however, with a solitary grand piano on a completely empty and exposed stage under working lights. A group of people, exhausted from what appears to have been a long journey and led by a man in a black coat and hat — who will later become Wotan, while the others transform into the remaining characters — stops before it.
Unlike many opera houses, where *Das Rheingold* begins in total darkness, the lights here remain on even in the auditorium until just before the first vocal entrance. This *Ring* emerges from the collective, and the audience becomes an immediate part of it. Several times over the following evenings, the house lights rise again during the music, and it is here that the production reveals its greatest weakness.
Herheim only rarely succeeds in establishing a clear focus or in translating his overly intellectual concept into something coherent on stage. The large group of people remains present almost continuously, mostly reacting to the action but also helping transform technical stage changes into something supposedly artistic. Sometimes it works better, sometimes worse, but in every case the more than thirty figures distract heavily from the actual drama. Since the drama itself often lacks real substance, this almost goes unnoticed.
Because nearly all the main characters — except Loge, the three goddesses and Mime — emerge from the same anonymous mass, the story loses much of its dramatic weight. Right from the beginning, Herheim traps himself in meaningless, unfunny and oversexualized slapstick: nobody on stage can truly be taken seriously. Every god has sex with a Rhinemaiden, Alberich uses the power of the Ring to stick a finger into both Loge and Wotan’s backsides, and the mighty “dragon” becomes a grotesque representation of Alberich’s genitals. Meanwhile, the gods wander about performing mediocre choreographed goose-steps, Loge starts small fires here and there, and Freia genuinely falls in love with Fasolt — how quaint.
All the more brutal and unnecessary, then, is the sudden rupture in the third scene, when a Nazi army giving Hitler salutes forms around Alberich. Mime appears as Richard Wagner himself, appropriately carrying the score of *Das Rheingold*. At the end, Wotan pulls Nothung from it, though he never thinks to open the score and perhaps revise one or two disastrous decisions in advance.
Sir Donald Runnicles approaches the score at a broad pace. His *Rheingold* lasts more than two and a half hours — Kirill Petrenko, in the concert performance at the Philharmonie a month ago, was nearly fifteen minutes faster — and for long stretches genuine tension struggles to emerge. While the opening still works convincingly, the relaxed pacing weakens Alberich’s curse considerably. Passages such as Donner’s storm, where the normally shimmering string figures should crackle with energy, instead sound surprisingly heavy and sluggish.
The transformation into Nibelheim remains the one truly striking highlight — aside from the slightly asynchronous anvils. The orchestra of the Deutsche Oper nevertheless produces a magnificent sound, with especially prominent low brass and woodwinds blended in beautiful harmony.
The vocal revelation of the evening is Michael Sumuel. Making his role debut as Alberich, he demonstrates superb textual clarity and remarkably tasteful phrasing. His warmly rounded middle register almost makes one forget that Alberich is the villain. Only in the highest passages does one occasionally wish for greater freedom and confidence.
Iain Paterson delivers Wotan with a very nasal vocal production, and by the end the voice no longer sounds entirely fresh. Still, he is deeply impressive in the conclusion of the second scene (“Ihr andern harrt bis Abend hier...”), where commanding authority is required from the ruler of the gods.
Thomas Blondelle walks a tightrope as Loge. Forced physically to perform every imaginable acrobatic trick as an inhuman Mephistophelean figure, he also pushes his vocal interpretation to the limits — and occasionally beyond the boundaries of good taste. Yet it is undeniably impressive how plastically he shapes every syllable, shifting from screams to almost bodiless hollow sounds while somehow maintaining projection and resonance throughout.
The balance between parody and genuinely cultivated singing is achieved most successfully by Annika Schlicht and Kieran Carrel. Schlicht sings Fricka with a dark, well-focused mezzo, while Carrel — after an outstanding Erik earlier this year — again attracts attention as Froh with his attractive and richly resonant tenor.
Other highlights include Martina Welschenbach as Freia, whose bright soprano already hints at future Sieglinde potential; Albert Pesendorfer’s beautifully shaped and powerfully resonant Fasolt; and Ya-Chung Huang, perhaps the finest Mime of his generation. The harmonious Rhinemaiden trio — Lea-ann Dunbar with her brilliant soprano, Arianna Manganello with her slender mezzo, and the sensitive Karis Tucker — completes the cast with distinction.
Niklas Vogel



La Deutsche Oper Berlin regala a su director musical general, Sir Donald Runnicles, dos ciclos completos del *Ring* como despedida. Para ello, se ha vuelto a colocar literalmente sobre el escenario la producción de Stefan Herheim, ya que a lo largo de la historia se amontonan cientos de viejas maletas de cuero.
Sin embargo, todo comienza con un piano solitario sobre un escenario completamente vacío y abierto, iluminado únicamente por las luces de trabajo. Un grupo de personas, cansadas de lo que parece haber sido una larga marcha y guiadas por un hombre con abrigo y sombrero negros — que más adelante se convertirá en Wotan, mientras los demás pasarán a ser el resto de personajes — se detiene frente a él.
A diferencia de muchos teatros de ópera, donde *Das Rheingold* comienza en absoluta oscuridad, aquí las luces permanecen encendidas incluso en la sala hasta poco antes de la primera entrada vocal. Este *Ring* nace del colectivo y el público forma parte inmediata de él. En varias ocasiones a lo largo de las siguientes jornadas, las luces de la sala volverán a encenderse durante la música, y es ahí donde aparece el gran problema de la producción.
Herheim solo en contadas ocasiones consigue establecer un foco claro o trasladar adecuadamente a escena un concepto excesivamente intelectualizado. El grupo humano permanece casi constantemente sobre el escenario, en la mayoría de los casos reaccionando a la acción, pero también intentando convertir ciertos procesos técnicos en algo supuestamente artístico. A veces funciona mejor y otras peor, pero en todos los casos las más de treinta personas distraen enormemente de lo que realmente sucede. Y como el contenido dramático tampoco ofrece demasiado, eso termina pasando casi desapercibido.
Dado que todos los personajes principales — excepto Loge, las tres diosas y Mime — surgen de esa masa uniforme, la historia pierde gran parte de su fuerza dramática. Herheim cae desde el principio en un slapstick vacío de significado, poco gracioso y excesivamente sexualizado: nadie sobre el escenario puede tomarse realmente en serio. Todos los dioses mantienen relaciones sexuales con una hija del Rin, Alberich utiliza el poder del anillo para meterles un dedo en el trasero tanto a Loge como a Wotan, y el poderoso “dragón” se convierte en una grotesca representación del miembro de Alberich. Mientras tanto, los dioses avanzan realizando mediocres pasos coreografiados semejantes a marchas militares, Loge provoca pequeños incendios aquí y allá, y Freia se enamora sinceramente de Fasolt. Qué entrañable.
Mucho más brutal e innecesaria resulta entonces la ruptura de la tercera escena, cuando alrededor de Alberich se forma un ejército nazi realizando saludos hitlerianos. Mime aparece caracterizado como el propio Richard Wagner y lleva consigo, apropiadamente, la partitura de *Das Rheingold*. Al final, Wotan extrae de ella a Nothung, aunque no se le ocurre abrir la partitura y quizá corregir por adelantado alguna de sus futuras malas decisiones.
Sir Donald Runnicles aborda la obra con tempos amplios. Su *Rheingold* supera ampliamente las dos horas y media — Kirill Petrenko, en la versión de concierto presentada en la Philharmonie un mes antes, fue casi quince minutos más rápido — y durante largos tramos cuesta que aparezca una verdadera tensión dramática. Aunque el comienzo todavía funciona bien, el ritmo demasiado cómodo debilita considerablemente la maldición amorosa de Alberich. Pasajes como la tormenta de Donner, donde normalmente las cuerdas deberían brillar con electricidad y nervio, terminan sonando sorprendentemente pesados y lentos.
La transformación hacia Nibelheim constituye prácticamente el único gran momento culminante — dejando aparte unos yunques algo descoordinados. Aun así, la orquesta de la Deutsche Oper ofrece un sonido magnífico, con unos metales graves especialmente presentes y unas maderas de gran belleza tímbrica y equilibrio.
La gran sorpresa vocal de la noche es Michael Sumuel. En su debut como Alberich demuestra una extraordinaria claridad textual y un fraseo de enorme buen gusto. Su cálido y agradable registro medio hace olvidar por momentos que se trata del villano de la historia. Solo en las notas más agudas se echa en falta algo más de libertad y confianza.
Iain Paterson aborda Wotan con una emisión muy nasal, y hacia el final la voz ya no suena completamente fresca. Sin embargo, resulta muy impactante en el cierre de la segunda escena (“Ihr andern harrt bis Abend hier...”), donde se requiere toda la autoridad del padre de los dioses.
Thomas Blondelle realiza un auténtico ejercicio de funambulismo como Loge. Obligado físicamente a ejecutar todo tipo de acrobacias como una figura mefistofélica e inhumana, lleva también su interpretación vocal hasta los límites — y a veces más allá del buen gusto. Aun así, resulta impresionante la manera en que moldea cada sílaba, pasando del grito a sonidos casi incorpóreos y huecos sin perder jamás proyección ni resonancia.
El equilibrio entre parodia y verdadero canto refinado lo consiguen especialmente Annika Schlicht y Kieran Carrel. Ella interpreta a Fricka con un mezzo oscuro y perfectamente focalizado. Él, tras un magnífico Erik a comienzos de año, vuelve a destacar como Froh gracias a un tenor atractivo y sonoro.
Otros momentos destacados llegan de la mano de Martina Welschenbach como Freia — una soprano luminosa que ya recuerda a una futura Sieglinde —, del Fasolt poderoso y bellamente construido de Albert Pesendorfer, y de Ya-Chung Huang, probablemente el mejor Mime de su generación. El equilibrado trío de hijas del Rin — Lea-ann Dunbar con su brillante soprano, Arianna Manganello con su estilizado mezzo y la sensible Karis Tucker — completa dignamente el reparto.
Niklas Vogel







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