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Parsifal in Dresden: Ruine und Neubeginn

  • Veit Störmer
  • 1 abr
  • 8 Min. de lectura

Parsifal at the Semperoper Dresden – March 31, 2026


Voices: Georg Zeppenfeld, Oleksandr Pushniak, Eric Cutler, Scott Hendricks, Michèle Losier, Tilmann Rönnebeck.

Orchestra: Sächsische Staatskapelle Dresden.

Conductor: Daniele Gatti.

Production: Floris Visser.


Dieser Parsifal hat zwei klare Zentren. Eine Inszenierung, die sich stark mit dem Verhältnis von Vergangenheit und Gegenwart beschäftigt, und ein Gurnemanz von Georg Zeppenfeld, der den Abend musikalisch trägt. Schon während der Aufführung wurde deutlich, wie sehr beides den Abend bestimmt.


Daniele Gatti dirigierte sehr symphonisch gedacht. Lange Bögen, breite Tempi, viel Raum für Klang. Das war nicht immer leicht für die Sänger, gerade wenn die Zeit sehr gedehnt wurde. Gleichzeitig gab es plötzliche Tempowechsel und sehr schnelle Passagen. Man hat gemerkt, wie genau er die Partitur kennt und wie sehr er einzelne Feinheiten herausarbeiten möchte. Manches wirkte fast zu durchdacht und verlor sich stellenweise in dieser Kopflastigkeit. Trotzdem blieb der Gesamteindruck stark.


Der Klang der Sächsischen Staatskapelle war dabei beeindruckend. Dunkel, klar, mit einer sehr eigenen Wagner-Sprache. Besonders die Verwandlungsmusiken im ersten und dritten Aufzug waren herausragend. Diese langen Crescendi, die sich langsam aufbauen und den Raum füllen, gingen unter die Haut. Der Karfreitagszauber war dagegen sehr langsam genommen und verlor etwas an Wirkung. Schön war wiederum, wie viel Zeit sich Gatti in den harmonischen Entwicklungen ließ, gerade nach dem Kuss im zweiten Aufzug.


Die Inszenierung von Floris Visser überzeugt mit einem klaren Ansatz, auch wenn nicht alles logisch bis ins Letzte aufgeht. Ausgangspunkt ist eine verlassene Klosterruine, die in die Gegenwart geholt wird. Tourismus, Drogen, Party. Ein Ort, der einmal Sinn hatte und nun leer geworden ist. Ein Junge findet ein Buch und taucht mit einer Gruppe von Menschen in die Vergangenheit ein. Das funktioniert wie ein Märchen, hat aber gleichzeitig eine politische Ebene. Es geht darum, wie wir mit Geschichte umgehen und wie leicht sie sich verändern oder überschreiben lässt.


Die Bilder sind stark. Kriege und Gewalt werden auf die Mauern projiziert, als würde sich Geschichte selbst gegen den Glauben richten. Kundry erscheint als abhängige Figur, die durch Parsifal eine Form von Heilung erfährt. Klingsor wird nicht besiegt, sondern ausgelöscht, indem eine Seite aus der Geschichte verbrannt wird. Besonders eindrücklich ist sein erster Auftritt, wenn er mit dem Speer ein Pentagramm zeichnet und Kundry daraus hervortritt. Das ist handwerklich sehr gut gemacht.


Am Ende verschiebt sich der Fokus noch einmal. Parsifal stellt keine Ordnung wieder her, sondern verändert sie. Wenn Adam und Eva erscheinen und das Böse von der Menschheit getrennt wird, wirkt das weniger wie ein religiöses Bild als wie ein politischer Gedanke. Erlösung entsteht hier nicht von außen, sondern durch ein Bewusstwerden. Religion wird nicht bestätigt, sondern hinterfragt.


Georg Zeppenfeld ist als Gurnemanz das Zentrum des Abends. Seine Stimme trägt alles. Diese Ruhe, diese Atemführung, diese Klarheit im Erzählen. Man versteht jedes Wort, und es hat Gewicht. Das ist eine Qualität, die selten geworden ist, und ohne ihn würde der Abend musikalisch deutlich weniger tragen.


Oleksandr Pushniak als Amfortas war solide besetzt. In der Höhe überzeugend, im Fundament nicht immer breit genug. Seine Erbarmen Rufe gingen trotzdem direkt unter die Haut.


Eric Cutler sang Parsifal regulär und gab damit sein Rollendebüt. Dieses konnte jedoch nicht wirklich überzeugen. Die Stimme wirkte in der Höhe angestrengt, die Linien nicht immer frei geführt. Auch in der Gestaltung blieb vieles eher oberflächlich. Es fehlte an klarer Entwicklung der Figur und an einer inneren Spannung, die diese Rolle eigentlich braucht.

Scott Hendricks als Klingsor blieb ebenfalls schwach. Die Diktion war schwer verständlich, die Phrasierung unklar, und der Versuch, die Rolle intensiv zu gestalten, wirkte eher bemüht als überzeugend. Michèle Losier brachte als Kundry eine schöne, silbrig gefärbte Stimme mit und zeigte gute Ansätze in den dramatischen Momenten. In der Diktion und besonders in den erzählenden Passagen fehlte jedoch die letzte Klarheit. Tilmann Rönnebeck fiel in den kleineren Rollen mit einem ruhig geführten, lyrischen Bass auf, besonders in den a cappella Stellen.


Am Ende bleibt ein Parsifal, der viel denkt und eigene Wege geht. Musikalisch stark getragen vom Orchester und von Zeppenfeld, szenisch mit klaren Ideen, die nicht immer vollständig aufgehen. Kein in sich geschlossenes Ergebnis, aber ein Abend, der zum Nachdenken anregt.


Veit Störmer


Photos: Jochen Qusar - Semperoper Dresden



This Parsifal has two clear centers. A staging that focuses strongly on the relationship between past and present, and a Gurnemanz by Georg Zeppenfeld that carries the evening musically. During the performance it became clear how much both shape the result.


Daniele Gatti approached the score in a very symphonic way. Long lines, broad tempos, a lot of space for sound. This was not always easy for the singers, especially when the music stretched out so much. At the same time there were sudden tempo changes and very fast passages. You could clearly hear how well he knows the score and how much he wants to bring out its details. At times it felt almost too intellectual, as if the music was getting in its own way. Still, the overall impression remained strong.


The sound of the Staatskapelle Dresden was impressive. Dark, clear, with a very distinctive Wagnerian language. The transformation scenes in Acts I and III were especially strong. These long crescendos that slowly build and fill the space had a physical impact. The Good Friday Music, however, was taken very slowly and lost some of its effect. On the other hand, Gatti gave a lot of time to harmonic development, especially after the kiss in Act II, which created a floating atmosphere.


The staging by Floris Visser offers a clear concept, even if not every idea is fully resolved. The setting is a ruined monastery brought into the present. Tourism, drugs, party life. A place that once had meaning and now feels empty. A boy finds a book and enters the past together with a group of people. It works like a fairy tale, but also has a political dimension. It is about how we deal with history and how easily it can be reshaped or overwritten.


The images are strong. War and violence are projected onto the walls, as if history itself were turning against faith. Kundry appears as an addict who finds a form of healing through Parsifal. Klingsor is not defeated, but erased by burning a page from history. His first appearance, drawing a pentagram and summoning Kundry, is particularly striking and well executed.


In the end, the focus shifts once more. Parsifal does not simply restore order, he changes it. When Adam and Eve appear and evil is separated from humanity, the image feels less religious and more political. Redemption does not come from outside, but through awareness. Religion is not confirmed, but questioned.


Georg Zeppenfeld stands at the center as Gurnemanz. His voice carries everything. The calm, the breath, the clarity of narration. Every word is understandable and meaningful. This kind of singing is rare, and without him the evening would lose much of its musical weight.

Oleksandr Pushniak as Amfortas was solid. The upper register worked well, though the lower foundation was not always broad enough. His “Erbarmen” calls were still deeply moving.


Eric Cutler sang Parsifal and made his role debut, but it was not convincing. The top sounded strained, the lines not always free, and the overall characterization remained somewhat superficial. There was a lack of inner development and tension. Scott Hendricks as Klingsor was also weak. The diction was unclear, the phrasing unfocused, and the attempt at intensity did not come together. Michèle Losier brought a beautiful, silvery tone to Kundry and showed strong dramatic moments. However, the diction and especially the narrative passages lacked clarity. Tilmann Rönnebeck stood out in the smaller roles with a calm, lyrical bass, especially in the a cappella passages.


In the end, this is a Parsifal that wants to think and go its own way. Musically carried by the orchestra and Zeppenfeld, scenically full of ideas that do not always fully connect. Not a fully cohesive result, but an evening that invites reflection.


Veit Störmer



Este Parsifal tiene dos centros claros. Una puesta en escena que reflexiona sobre la relación entre pasado y presente, y un Gurnemanz de Georg Zeppenfeld que sostiene musicalmente toda la velada. Durante la función quedó claro hasta qué punto ambos determinan el resultado.


Daniele Gatti abordó la partitura de forma muy sinfónica. Líneas largas, tempos amplios, mucho espacio para el sonido. Esto no siempre fue fácil para los cantantes, especialmente cuando la música se expandía tanto. Al mismo tiempo hubo cambios de tempo repentinos y pasajes muy rápidos. Se percibe claramente cuánto conoce Gatti la partitura y cuánto quiere destacar sus detalles. En algunos momentos resultó casi demasiado intelectual, como si la música se interpusiera a sí misma. Aun así, la impresión general fue sólida.


El sonido de la Staatskapelle Dresden fue impresionante. Oscuro, claro, con un lenguaje wagneriano muy propio. Las escenas de transformación en los actos I y III fueron especialmente destacadas. Esos largos crescendi que crecen lentamente y llenan el espacio tuvieron un impacto físico. El Encantamiento del Viernes Santo, en cambio, fue demasiado lento y perdió fuerza. Por otro lado, Gatti se tomó mucho tiempo para los desarrollos armónicos, especialmente después del beso en el segundo acto, creando una atmósfera suspendida.


La puesta en escena de Floris Visser presenta un concepto claro, aunque no todas las ideas se resuelven por completo. El escenario muestra una ruina de monasterio trasladada al presente. Turismo, drogas, fiesta. Un lugar que tuvo sentido y ahora parece vacío. Un niño encuentra un libro y entra en el pasado junto a un grupo de personas. Funciona como un cuento, pero también tiene una dimensión política. Trata sobre cómo nos relacionamos con la historia y lo fácil que es transformarla o reescribirla.


Las imágenes son potentes. Guerras y violencia se proyectan sobre los muros, como si la historia se volviera contra la fe. Kundry aparece como una persona dependiente que encuentra una forma de redención a través de Parsifal. Klingsor no es derrotado, sino eliminado al quemar una página de la historia. Su primera aparición, dibujando un pentagrama y haciendo surgir a Kundry, es especialmente impactante y bien lograda.

Al final, el enfoque vuelve a cambiar. Parsifal no restaura el orden, lo transforma. Cuando aparecen Adán y Eva y el mal se separa de la humanidad, la imagen resulta menos religiosa y más política. La redención no viene de fuera, sino del reconocimiento. La religión no se confirma, se cuestiona.


Georg Zeppenfeld es el centro como Gurnemanz. Su voz sostiene todo. La calma, la respiración, la claridad narrativa. Se entiende cada palabra y tiene peso. Es una calidad poco común, y sin él la velada perdería gran parte de su fuerza musical.


Oleksandr Pushniak como Amfortas fue correcto. La zona aguda funcionó bien, aunque la base no siempre fue suficientemente amplia. Sus llamadas de “Erbarmen” fueron muy conmovedoras.


Eric Cutler cantó Parsifal y debutó en el papel, pero no convenció. El agudo sonó forzado, las líneas no siempre fueron libres y la construcción del personaje quedó algo superficial. Faltó desarrollo interno y tensión. Scott Hendricks como Klingsor tampoco convenció. La dicción fue poco clara, la fraseo impreciso y la intensidad buscada no terminó de funcionar. Michèle Losier ofreció una Kundry con un timbre bello y plateado y buenos momentos dramáticos. Sin embargo, la dicción y especialmente los pasajes narrativos carecieron de claridad. Tilmann Rönnebeck destacó en los papeles secundarios con un bajo lírico muy sereno, especialmente en las partes a cappella.


Al final, es un Parsifal que quiere pensar y seguir su propio camino. Musicalmente sostenido por la orquesta y Zeppenfeld, escénicamente lleno de ideas que no siempre encajan del todo. No es un resultado completamente cerrado, pero sí una velada que invita a reflexionar.


Veit Störmer

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