Parsifal in Essen
- Jared Schönfeldt
- hace 5 días
- 10 Min. de lectura
Parsifal, Richard Wagner
Aalto Theater Essen
26.04.2026 (WA)
Personen:
Erik Nielsen (Musikalische Leitung), Roland Schwab (Inszenierung), Piere Vinciguerra (Bühne), Gabriele Rupprecht (Kostüme), Ruth Stofer (Video), Patricia Knebel (Dramaturgie)
Stimmen:
Matthew Newlin (Parsifal), Bettina Ranch (Kundry), Friedemann Röhlig (Gurnemanz),
Heiko Trinsinger (Amfortas), Almas Svilpa (Klingsor), Andrei Nicoara (Titurel)
Ein Parsifal, in dem mal nicht der Gurnemanz das musikalische Zentrum abbildet, sondern Parsifal und Kundry – eine Seltenheit. Genau dies ist jedoch in der Wiederaufnahme des Parsifal in Essen geschehen. Zwar war erwartbar, dass diesmal Bettina Ranch mit ihrer Kundry und nicht Gurnemanz im Mittelpunkt stehen wird, doch auch der aufgrund von Krankheit eingesprungene Matthew Newlin legte eine überragende Leistung hin, die von dem Publikum gerechtfertigt gefeiert wurde.
Die Inszenierung von Roland Schwab ist dabei ähnlich gelungen wie die Besetzung, auffällig dabei insbesondere der Wert, den er auf ein ausdrucksstarkes Schauspiel legt, für welches Bettina Ranch als Kundry in der Premierenserie verdient den Faustpreis 2025 erhielt. Den Start in den Abend mit dem Vorspiel zum ersten Akt gestaltet Roland Schwab noch minimalistisch: eine schöne Projektion eines Spaziergangs durch einen friedlichen Wald, welche perfekt mit dem musikalischen Charakter des Vorspiels harmoniert, und später eine langsame Überblende zu Parsifal mit einer Armbrust auf dem Weg durch einen etwas düster wirkenden Wald, bevor sich der Vorhang mit dem Ende des Vorspiels hebt und das deutlich imposantere, sich durch alle drei Akte ziehende Bühnenbild offenbart.
Dieses eher abstrakte Bühnenbild von Piere Vinciguerra wirkt dabei wie ein Tunnel. Zwar besteht dieser nur aus einem Holzskelett, welches mit Kabeln und Schläuchen überzogen ist, jedoch erzeugt es eine Art Richtung im Bühnenbild, ohne die große, offen gehaltene Bühne einzuschränken. Zusätzlich zu diesem Tunnel ist auch der Bühnenboden nicht einfach ein Boden, sondern ein großer, flacher Teich, welcher einen der Kerngedanken der Inszenierung widerspiegelt – das Wasser, welches Roland Schwab in dieser Inszenierung als Symbol des Lebens und Bestehens nutzt.
Auch wenn eine solche offene Bühne es den Sängerinnen nicht zwingend einfacher macht, zeigt Heiko Trinsinger als Amfortas direkt, in welche Richtung der Abend musikalisch gehen wird. Mit einem sehr soliden ersten Auftritt setzt er die Erwartung für den Abend sehr hoch. Auch gegen das Orchester schlägt er sich mit dieser anspruchsvollen Akustik sehr stark, ohne an Ausdruck, Emotion oder Sprachverständlichkeit zu verlieren. Das Orchester schafft es dabei, auch unter der Leitung von Erik Nielsen einen sehr abgestimmten Klang zu erzeugen, der die Sängerinnen zu keiner Zeit in den Schatten stellt oder übertönt. Dafür gestaltet Nielsen die Verwandlungsmusiken umso dynamischer und eindrucksvoller, auch wenn die Regie auf eine Verwandlung im klassischen Sinne verzichtet. Auch erwähnenswert ist dabei der Einsatz eines echten Gralsglockenklaviers des Bayreuther Herstellers Steingraeber anstatt einer digitalen Nachahmung, wodurch ein überwältigender Klang entsteht, wie er leider nicht oft zu erleben ist.
Für den zweiten Akt bedienen Piere Vinciguerra und so Erik Nielsen sich der Inspiration von der Kunstinstallation Nam June Paiks mit dem Titel “TV-Garden”, an welche Klingsors Zaubergarten nicht nur erinnert. Statt des Teiches im ersten Akt ziert eine große Ansammlung von Büschen mit Bildschirmen im Stil von Röhrenfernsehern als Blumenblüten die Bühne und erzeugt einen starken Kontrast zum Bild des vorigen Akts. Einzig störend sind dabei leider einige der Videos, welche mehr ablenken, als der Handlung beizutragen. Auch der Fokus auf Kundry als vielschichtiger Charakter Wagners wird nun mehr und mehr klar.
So entwickelt sie sich von dem unterdrückten Wesen, welches zuerst mit Stroboskopen auftritt, um dann fast den ganzen ersten Akt am Rand kläglich im Wasser der Bühne zu liegen, und der Dienerin Klingsors, welche zu Beginn des zweiten Aktes noch in einer Handfessel von Klingsor herumgezogen wird, zu einer eigenständigen, fast mütterlichen Gestalt in weißem Kleid, welche insbesondere zu Beginn des dritten Aktes noch eine weitere Entwicklung erfährt. Diese Entwicklung stellt dabei Bettina Ranch durch ihr ausgezeichnetes Schauspiel, aber auch ihre präzise herausgearbeitete Stimme und enorme Präzision auf wundervolle Art und Weise dar. So liegt der musikalische Schwerpunkt gänzlich bei Kundry und Parsifal, welcher durch Matthew Newlin auch einfach genial besetzt ist. Ferner wird Parsifal auch schauspielerisch sehr stark in Szene gesetzt, insbesondere während des letzten Mahles, welches er als zusammengekauertes, verstörtes Wesen an der Bühnenkante verbringt und so auch seine Torheit ein wenig verkörpert.
Auch der dritte Akt startet mit einer Videoprojektion während des Vorspiels, diesmal jedoch kein freundlicher Wald, sondern ein nebeliger, apokalyptischer Wald, den Parsifal mit dem Speer und einer Gasmaske durchquert. Das folgende Bühnenbild ist entsprechend gestaltet, das Wasser ist gänzlich versiegt und aus Teich oder üppigem Garten ist eine staubige Einöde voller Metallschrott geworden und Wasser gibt es nur noch aus weißen Plastikkanistern – eine Analogie zu dem desolaten Zustand der Gralsritterschaft.
Zum Ende hin wird die Bühne immer leerer, bis schließlich Parsifal alleine auf der Bühne kniet und aus der Höhe erleuchtet wird, während der Chor von der Hinterbühne “Erlösung dem Erlöser” singt und der Tunnel, das zentrale Element des Bühnenbildes, langsam aus dem Sichtfeld verschwindet.
Alles in allem bieten Theater und Philharmonie Essen eine mehr als nur gelungene Produktion, die insbesondere musikalisch glänzen kann. Erwähnenswert ist dabei auch das sehr dynamische Licht, welches hausintern erarbeitet wurde und an vielen Stellen den Bildern, insbesondere auch den zahlreichen LED-Röhren im Bühnenbild, eine gewisse Tiefe und Dynamik verpasst. Auch trotz dem ein oder anderen kleinen Fehltritt bei der Inszenierung bleibt es ein Abend, den man auch ohne Probleme 2 oder 3 Male genießen kann, ohne dass einem langweilig wird.
Jared Schönfeldt




Photos: Matthias Jung
People:
Erik Nielsen (Musical Director), Roland Schwab (Stage Director), Piere Vinciguerra (Set Design), Gabriele Rupprecht (Costumes), Ruth Stofer (Video), Patricia Knebel (Dramaturgy)
Voices:
Matthew Newlin (Parsifal), Bettina Ranch (Kundry), Friedemann Röhlig (Gurnemanz),Heiko Trinsinger (Amfortas), Almas Svilpa (Klingsor), Andrei Nicoara (Titurel)
A Parsifal in which Gurnemanz does not form the musical center, but rather Parsifal and Kundry—quite a rarity. Yet this is precisely what occurred in the revival of Parsifal in Essen. While it was to be expected that Bettina Ranch, with her Kundry, would take center stage rather than Gurnemanz, Matthew Newlin—who stepped in due to illness—also delivered an outstanding performance that was rightly celebrated by the audience.
Roland Schwab’s staging proves to be just as successful as the casting, particularly notable for the emphasis he places on expressive acting. Bettina Ranch, as Kundry, deservedly received the Faust Prize 2025 for her performance in the premiere series. Schwab begins the evening with the prelude to Act I in a minimalist fashion: a beautiful projection of a walk through a peaceful forest, perfectly aligned with the musical character of the prelude, later transitioning slowly to Parsifal walking through a somewhat darker forest with a crossbow. Only at the end of the prelude does the curtain rise, revealing the far more imposing set that spans all three acts.
This rather abstract set design by Piere Vinciguerra resembles a tunnel. Although it consists merely of a wooden skeleton covered with cables and hoses, it creates a strong sense of direction without restricting the large, open stage. In addition, the stage floor is not just a floor, but a large, shallow pool—reflecting one of the core ideas of the production: water as a symbol of life and existence.
Even if such an open stage does not necessarily make things easier for the singers, Heiko Trinsinger as Amfortas immediately demonstrates the musical direction of the evening. With a very solid first appearance, he sets high expectations. Despite the demanding acoustics, he holds his own impressively against the orchestra without losing expression, emotion, or clarity of diction. Under Erik Nielsen’s direction, the orchestra achieves a finely balanced sound that never overshadows or drowns out the singers. Nielsen instead shapes the transformation music with great dynamism and impact, even though the staging avoids transformation in the traditional sense. Also worth mentioning is the use of a real Grail bell piano from the Bayreuth manufacturer Steingraeber instead of a digital imitation, producing an overwhelming sound rarely experienced.
For Act II, Vinciguerra—and in turn Nielsen—draw inspiration from Nam June Paik’s art installation TV Garden, to which Klingsor’s magic garden strongly alludes. Instead of the pool from Act I, the stage is now filled with a large cluster of bushes adorned with screens resembling old tube televisions as blossoms, creating a striking contrast to the previous act. Unfortunately, some of the videos are somewhat distracting rather than enhancing the narrative. At the same time, the focus on Kundry as one of Wagner’s most multifaceted characters becomes increasingly clear.
Her development progresses from a suppressed being—initially appearing under strobe lights, then lying miserably at the edge of the stage in the water for most of Act I—and Klingsor’s servant, dragged around in handcuffs at the beginning of Act II, into an independent, almost maternal figure in a white dress, undergoing further transformation especially at the start of Act III. Bettina Ranch conveys this evolution beautifully through her outstanding acting, her carefully shaped voice, and remarkable precision. Thus, the musical focus lies entirely on Kundry and Parsifal, the latter excellently portrayed by Matthew Newlin. Parsifal is also presented with strong dramatic depth, particularly during the Last Supper scene, where he appears as a crouched, disturbed figure at the edge of the stage, embodying his naïveté.
Act III also begins with a video projection during the prelude—this time not a friendly forest, but a foggy, apocalyptic landscape through which Parsifal walks with a spear and a gas mask. The subsequent set reflects this transformation: the water has completely dried up, and the former pond or lush garden has turned into a dusty wasteland full of metal scrap. Water now exists only in white plastic canisters—an analogy for the desolate state of the Grail community.
Toward the end, the stage becomes increasingly empty until Parsifal is left alone, kneeling and illuminated from above, while the chorus sings “Redemption to the Redeemer” from behind the stage. Meanwhile, the tunnel—the central element of the set—slowly disappears from view.
All in all, Theater and Philharmonie Essen present a more than successful production, particularly shining musically. Also noteworthy is the highly dynamic lighting, developed in-house, which adds depth and movement to many scenes, especially those featuring the numerous LED tubes in the set. Despite one or two minor missteps in the staging, it remains an evening one can enjoy two or even three times without growing bored.
Jared Schönfeldt







Personas:
Erik Nielsen (Dirección musical), Roland Schwab (Dirección escénica), Piere Vinciguerra (Escenografía), Gabriele Rupprecht (Vestuario), Ruth Stofer (Video), Patricia Knebel (Dramaturgia)
Voces:
Matthew Newlin (Parsifal), Bettina Ranch (Kundry), Friedemann Röhlig (Gurnemanz),Heiko Trinsinger (Amfortas), Almas Svilpa (Klingsor), Andrei Nicoara (Titurel)
Un Parsifal en el que Gurnemanz no constituye el centro musical, sino Parsifal y Kundry: una rareza. Y, sin embargo, esto es exactamente lo que ha ocurrido en la reposición de Parsifal en Essen. Si bien era previsible que en esta ocasión Bettina Ranch, con su Kundry, ocuparía el foco principal en lugar de Gurnemanz, también Matthew Newlin —quien sustituyó por enfermedad— ofreció una actuación sobresaliente que fue justamente celebrada por el público.
La puesta en escena de Roland Schwab resulta tan lograda como el reparto, destacando especialmente la importancia que concede a la expresividad actoral, por la cual Bettina Ranch como Kundry recibió merecidamente el Premio Faust 2025 en la serie de estreno. Schwab inicia la velada con el preludio del primer acto de manera minimalista: una bella proyección de un paseo por un bosque apacible, que armoniza perfectamente con el carácter musical del preludio, seguida más tarde de una transición lenta hacia Parsifal atravesando un bosque algo más sombrío con una ballesta. Solo al final del preludio se alza el telón, revelando la escenografía mucho más imponente que se extiende a lo largo de los tres actos.
La escenografía, más bien abstracta, de Piere Vinciguerra se asemeja a un túnel. Aunque consiste únicamente en una estructura de madera cubierta de cables y tubos, crea una fuerte sensación de dirección sin limitar el amplio escenario abierto. Además, el suelo escénico no es simplemente un suelo, sino un gran estanque poco profundo, que refleja una de las ideas centrales de la producción: el agua como símbolo de vida y existencia.
Aunque un escenario tan abierto no facilita necesariamente el trabajo de los cantantes, Heiko Trinsinger como Amfortas demuestra de inmediato la dirección musical de la velada. Con una primera intervención muy sólida, establece un nivel de expectativas muy alto. Incluso frente a la exigente acústica, se impone con fuerza frente a la orquesta sin perder expresividad, emoción ni claridad en la dicción. Bajo la dirección de Erik Nielsen, la orquesta logra un sonido muy equilibrado que en ningún momento eclipsa ni cubre a los cantantes. Nielsen, en cambio, dota a las músicas de transformación de un dinamismo y una fuerza notables, aunque la puesta en escena prescinda de transformaciones en el sentido tradicional. También cabe destacar el uso de un auténtico piano de campanas del Grial del fabricante de Bayreuth Steingraeber en lugar de una imitación digital, lo que produce un sonido sobrecogedor poco habitual.
Para el segundo acto, Vinciguerra —y, en consecuencia, Nielsen— se inspiran en la instalación artística TV Garden de Nam June Paik, a la que el jardín mágico de Klingsor no solo recuerda, sino que prácticamente remite directamente. En lugar del estanque del primer acto, el escenario se llena de un gran conjunto de arbustos adornados con pantallas que evocan televisores de tubo como si fueran flores, creando un fuerte contraste con la imagen del acto anterior. Lamentablemente, algunos de los videos resultan algo distractores más que aportar a la acción. Al mismo tiempo, el enfoque en Kundry como uno de los personajes más complejos de Wagner se vuelve cada vez más evidente.
Su desarrollo pasa de ser un ser oprimido —que aparece inicialmente bajo luces estroboscópicas y luego permanece durante casi todo el primer acto abatida en el borde del escenario dentro del agua— y sirvienta de Klingsor, arrastrada con una esposada al inicio del segundo acto, a una figura autónoma, casi maternal, vestida de blanco, que experimenta una evolución adicional especialmente al comienzo del tercer acto. Bettina Ranch plasma esta transformación de manera magnífica mediante su excelente actuación, su voz cuidadosamente trabajada y una enorme precisión. Así, el foco musical recae completamente en Kundry y Parsifal, este último interpretado de forma brillante por Matthew Newlin. Parsifal también está escénicamente muy bien construido, especialmente durante la escena de la Última Cena, donde aparece como una figura encorvada y perturbada en el borde del escenario, encarnando en parte su ingenuidad.
El tercer acto también comienza con una proyección de video durante el preludio: esta vez no se trata de un bosque amable, sino de un paisaje brumoso y apocalíptico que Parsifal atraviesa con una lanza y una máscara de gas. La escenografía posterior refleja este cambio: el agua ha desaparecido por completo, y el antiguo estanque o jardín exuberante se ha transformado en un páramo polvoriento lleno de chatarra metálica. El agua solo existe ahora en bidones de plástico blancos, una analogía del estado desolado de la comunidad del Grial.
Hacia el final, el escenario se va vaciando progresivamente hasta que Parsifal queda solo, arrodillado e iluminado desde lo alto, mientras el coro canta “Redención al Redentor” desde el fondo del escenario. Al mismo tiempo, el túnel —elemento central de la escenografía— desaparece lentamente del campo de visión.
En conjunto, el Theater und Philharmonie Essen ofrece una producción más que lograda, que destaca especialmente en lo musical. También merece mención la iluminación altamente dinámica, desarrollada internamente, que aporta profundidad y movimiento a muchas escenas, en particular a aquellas con los numerosos tubos LED del decorado. A pesar de uno o dos pequeños tropiezos en la puesta en escena, se trata de una velada que puede disfrutarse dos o incluso tres veces sin llegar a aburrir.
Jared Schönfeldt




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