Götterdämmerung in la Scala
- Veit Störmer
- 3 feb
- 11 Min. de lectura
Götterdämmerung, Richard Wagner
Teatro alla Scala, Milano
01.02.2026
Diese Götterdämmerung fühlt sich nicht wie ein Abschluss an, sondern wie ein Moment, in
dem man stehen bleibt. David McVicar erzählt den Ring nicht als große Göttersage, sondern
als eine Geschichte, die aus Erinnerungen besteht. Bilder aus den früheren Teilen tauchen
wieder auf, nicht wie Zitate, sondern wie Gedanken, die sich nicht abschütteln lassen. Die
Bühne wirkt, als trüge sie noch das, was hier einmal geschehen ist. Der Trauermarsch wird
zum inneren Mittelpunkt des Abends. Siegmund und Sieglinde treten aus der Vergangenheit
und bedecken Siegfried mit dem Totentuch. Wotan kommt langsam von hinten auf die
Bühne, den zerbrochenen Speer in der Hand. Er bleibt stehen, nicht als Gott, sondern als
Vater und Großvater. Für einen Moment geht es nicht um den Untergang einer Welt,
sondern um den Verlust einer Familie. Am Ende tanzt das Rheingold weiter, nachdem die
Musik verstummt ist. Das Publikum bleibt still, weil es nichts mehr zu sagen gibt. Nicht aus
Ehrfurcht, sondern aus einem Gefühl, dass jede Reaktion zu klein wäre für das, was gerade
passiert ist.
Klaus Florian Vogts Siegfried lebt von einer Stimme, die nicht auf Heldentum zielt, sondern
auf Offenheit. Der helle, durchlässige Klang hat etwas Suchendes, fast Fragiles. Von Akt zu
Akt gewinnt die Stimme an Farbe und Gewicht, ohne ihre Leichtigkeit zu verlieren. In den
Jugenderzählungen und im Abschied von Brünnhilde spannt er lange, ruhige Bögen, die wie
Erinnerungen klingen, die sich erst im Moment des Erzählens formen. Man hört keinen
Sieger, sondern jemanden, der in eine Geschichte geraten ist, die größer ist als er selbst.
Günther Groissböcks Hagen ist ein herausragendes Rollendebüt, das sich über den Abend
hinweg entfaltet. Im ersten Akt wirkt der Klang noch zurückhaltend, beinahe tastend. Doch
im zweiten und dritten Akt wächst daraus eine Präsenz von großer Wucht. Die Tiefe der
Stimme ist fest verankert, die Höhen klar und getragen, die Sprache scharf konturiert. Dieser
Hagen drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern steht da wie etwas, dem man nicht
ausweichen kann. Er wirkt weniger wie ein Bösewicht als wie eine Konsequenz, die aus
allem hervorgeht, was zuvor geschehen ist.
Camilla Nylunds Brünnhilde ist das Zentrum, um das sich der Abend dreht. Ihre Stimme
besitzt eine Beweglichkeit und Weite, die ihr erlaubt, zwischen Kraft und Nachdenklichkeit zu
wechseln, ohne je an Spannung zu verlieren. In den großen Ausbrüchen liegt eine klare,
offene Energie, in den ruhigeren Passagen eine fast nüchterne Genauigkeit. Im zweiten
Aufzug hat ihr Klang etwas, das über Zorn und Verletzung hinausgeht. Es wirkt wie ein
Moment des Erkennens, als würde diese Figur begreifen, was diese Welt kostet und was sie
ihr schuldig bleibt. Ihre Präsenz verändert, wie man hört. Der Raum scheint sich an ihr
auszurichten.
Johannes Martin Kränzle gibt Alberich einen dunklen, tragfähigen Bariton, der weniger auf
äußere Dämonie setzt als auf innere Spannung. Der Dialog mit Hagen wird zu einem leisen,
eindringlichen Austausch zweier Figuren, die sich in ihrem Verlangen spiegeln.
Russell Braun verfügt über eine schöne, dunkel gefärbte Tiefe, fällt im Vergleich zur
Wagner-Elite des Abends jedoch stimmlich etwas ab. Darstellerisch überzeugt er umso
mehr: Sein Gunther wirkt geknickt und gebrochen, eine Figur, die ihre Schwäche offen zeigt
und gerade dadurch Kontur gewinnt.
Nina Stemme als Waltraute bringt eine eigene Geschichte mit auf die Bühne. Man hört in
ihrer Stimme die Erinnerung an ihre Zeit als Brünnhilde, an eine Figur, die sie selbst über
Jahre geprägt hat. Die Tiefe ist warm und breit, die Höhe weiterhin klar und tragfähig. In der
Szene mit Nylund entsteht kein Wettstreit, sondern ein Weitergeben, als würde eine frühere
Brünnhilde einer späteren etwas überlassen, das nicht ausgesprochen werden muss.
Olga Bezsmertna gibt Gutrune eine Stimme mit spürbarer Dramatik. Sie klingt angespannt,
manchmal fast schmerzhaft, und verleiht der Figur damit eine innere Beteiligung, die über
bloße Naivität hinausgeht. Auch als Norne setzt sie einen dunkleren, ernsteren Akzent.
Christa Mayer bringt als Norne eine ruhige, eindringliche Schwere ein. Ihr Mezzo legt einen
festen, dunklen Boden unter den Beginn des Abends, als würde schon hier etwas
Unabwendbares im Raum stehen.
Die Rheintöchter fügen sich mit klanglicher Klarheit und sichtbarer Spielfreude ein. Der Chor
bringt eine besondere körperliche Präsenz auf die Bühne. Man spürt die Geschlossenheit
der Stimmen und zugleich die Freude am gemeinsamen Gestalten. Die Männerstimmen
füllen den Raum nicht nur mit Klang, sondern mit einer Art von Energie, die die
Gesellschaftsbilder dieser Oper greifbar macht.
Alexander Soddy führt das Orchester der Scala auf ein Niveau, das man diesem Haus in
Wagner nicht selbstverständlich zutraut. Von Akt zu Akt wächst der Klang an gestalterischer
Tiefe, als würde sich das Orchester selbst in diese Musik hineinfinden und ihr immer mehr
vertrauen. Die Tempi sind zügig, aber nie oberflächlich, sie erzeugen eine Sogwirkung, die
den langen Abend kurzweilig und unausweichlich vorantreibt.
Der Trauermarsch wird zum emotionalen Brennpunkt des Abends. Soddy formt eine dunkle,
sehnsuchtsvolle Schwere, die nicht auf Wirkung zielt, sondern auf Wahrheit. Der Saal hält
den Atem an, Tränen sind keine Ausnahme. Hier trägt das Orchester nicht, hier spricht es.
Man verlässt den Eindruck, dass es für diese Musik nicht immer die großen Namen braucht,
sondern einen Dirigenten, der weiß, wie man einem Klangkörper zuhört, um ihn über sich
hinauswachsen zu lassen.
Am Ende bleibt das Bild des tanzenden Goldes im leeren Raum. Die Musik ist längst
verstummt, aber der Gedanke bleibt. Man geht hinaus mit dem Gefühl, nicht nur etwas
gesehen und gehört zu haben, sondern etwas mit sich zu tragen, das sich nicht sofort in
Worte fassen lässt. Und vielleicht gerade deshalb noch eine Weile bleibt.
Veit Störmer



Foto: Brescia/Amisano – Teatro alla Scala
Esta Götterdämmerung no se siente como un final, sino como un momento en el que uno se
detiene. David McVicar no cuenta el Anillo como una gran saga de dioses, sino como una
historia hecha de recuerdos. Imágenes de las partes anteriores reaparecen, no como citas,
sino como pensamientos que no se pueden apartar. El escenario parece conservar lo que
una vez ocurrió allí.
La marcha fúnebre se convierte en el centro interior de la velada. Siegmund y Sieglinde
surgen del pasado y cubren a Siegfried con el sudario. Wotan entra lentamente desde el
fondo del escenario, con la lanza rota en la mano. Se detiene, no como dios, sino como
padre y abuelo. Por un momento, no se trata del fin de un mundo, sino de la pérdida de una
familia. Al final, el oro del Rin sigue bailando cuando la música ya se ha apagado. El público
guarda silencio porque no queda nada que decir. No por reverencia, sino por la sensación
de que cualquier reacción sería demasiado pequeña para lo que acaba de suceder.
El Siegfried de Klaus Florian Vogt vive de una voz que no apunta al heroísmo, sino a la
apertura. El timbre claro y transparente tiene algo de búsqueda, casi frágil. De acto en acto
la voz gana color y peso sin perder su ligereza. En los relatos de juventud y en la despedida
de Brünnhilde traza arcos largos y tranquilos que suenan como recuerdos que se forman en
el mismo momento de ser contados. No se oye a un vencedor, sino a alguien que ha
entrado en una historia más grande que él mismo.
El Hagen de Günther Groissböck es un debut de rol sobresaliente que se desarrolla a lo
largo de la velada. En el primer acto el sonido aún parece contenido, casi tentativo. En el
segundo y tercer acto surge una presencia de gran fuerza. La zona grave está firmemente
asentada, los agudos son claros y sostenidos, la dicción nítida. Este Hagen no se impone,
sino que permanece como algo a lo que no se puede esquivar. Parece menos un villano que
una consecuencia de todo lo que ha ocurrido antes.
La Brünnhilde de Camilla Nylund es el centro alrededor del cual gira la noche. Su voz tiene
una flexibilidad y una amplitud que le permiten moverse entre la fuerza y la reflexión sin
perder tensión. En los grandes estallidos hay una energía clara y abierta, en los pasajes
más tranquilos una precisión casi sobria. En el segundo acto suena algo que va más allá de
la ira y la herida. Parece un momento de reconocimiento, como si la figura comprendiera lo
que este mundo cuesta y lo que le debe. Su presencia cambia la manera de escuchar. El
espacio parece orientarse hacia ella.
Johannes Martin Kränzle da a Alberich un barítono oscuro y portante, menos centrado en la
demonización exterior que en la tensión interior. El diálogo con Hagen se convierte en un
intercambio silencioso y penetrante entre dos figuras que se reconocen en su deseo.
Russell Braun tiene una profundidad de color oscuro y bella, pero en comparación con la
élite wagneriana de la velada se queda algo atrás en lo vocal. En lo escénico convence aún
más: su Gunther aparece encorvado y quebrado, una figura que muestra su debilidad y que
precisamente por eso adquiere contorno.
Nina Stemme como Waltraute lleva consigo su propia historia al escenario. En su voz se
oye el recuerdo de su época como Brünnhilde, una figura que ella misma marcó durante
años. El registro grave es cálido y amplio, el agudo sigue siendo claro y sostenido. En la
escena con Nylund no hay competencia, sino un traspaso, como si una Brünnhilde anterior
entregara algo a una posterior sin necesidad de palabras.
Olga Bezsmertna da a Gutrune una voz con una dramatismo perceptible. Suena tensa, a
veces casi dolorosa, y así le da a la figura una implicación interior que va más allá de la
simple ingenuidad. También como Norna aporta un acento más oscuro y serio. Christa
Mayer, como Norna, introduce una gravedad tranquila y penetrante. Su mezzosoprano pone
un suelo firme y oscuro al inicio de la velada, como si lo inevitable ya estuviera presente en
el espacio.
Las Hijas del Rin se integran con claridad sonora y una alegría escénica visible. El coro
aporta una presencia física especial al escenario. Se siente la cohesión de las voces y al
mismo tiempo el placer de crear juntos. Las voces masculinas no solo llenan el espacio con
sonido, sino con una energía que hace tangibles los retratos sociales de esta ópera.
Alexander Soddy lleva a la orquesta de la Scala a un nivel que no se da por sentado en
Wagner en esta casa. De acto en acto el sonido crece en profundidad expresiva, como si la
propia orquesta se adentrara cada vez más en esta música y confiara en ella. Los tempi son
ágiles, pero nunca superficiales, crean un efecto de arrastre que hace que la larga velada
avance de forma absorbente e inevitable.
La marcha fúnebre se convierte en el punto emocional de la noche. Soddy modela una
gravedad oscura y anhelante que no busca efecto, sino verdad. La sala contiene la
respiración, las lágrimas no son una excepción. Aquí la orquesta no acompaña, aquí habla.
Queda la impresión de que para esta música no siempre hacen falta los grandes nombres,
sino un director que sepa escuchar a un conjunto para llevarlo más allá de sí mismo.
Al final queda la imagen del oro danzante en un espacio vacío. La música hace tiempo que
ha callado, pero el pensamiento permanece. Uno sale con la sensación de no solo haber
visto y oído algo, sino de llevarse consigo algo que no se deja convertir inmediatamente en
palabras. Y quizá por eso mismo se queda un tiempo más.
Veit Störmer



This Götterdämmerung does not feel like an ending, but like a moment of pause. David
McVicar tells the Ring not as a grand saga of gods, but as a story made of memories.
Images from the earlier parts return, not as quotations, but like thoughts that cannot be
pushed away. The stage seems to carry what once happened there.
The Funeral March becomes the inner center of the evening. Siegmund and Sieglinde step
out of the past and cover Siegfried with the shroud. Wotan enters slowly from the back of the
stage, the broken spear in his hand. He stops, not as a god, but as a father and grandfather.
For a moment, it is not about the end of a world, but about the loss of a family. At the end,
the Rhinegold continues to dance after the music has fallen silent. The audience remains
quiet because there is nothing left to say. Not out of reverence, but from the sense that any
reaction would be too small for what has just happened.
Klaus Florian Vogt’s Siegfried lives from a voice that does not aim at heroism, but at
openness. The bright, transparent tone carries something searching, almost fragile. From act to act, the voice gains color and weight without losing its lightness. In the youth narratives
and in the farewell to Brünnhilde, he draws long, calm arcs that sound like memories forming
in the very moment of being told. One hears not a victor, but someone who has entered a
story larger than himself.
Günther Groissböck’s Hagen is an outstanding role debut that unfolds over the course of the
evening. In the first act, the sound still seems restrained, almost tentative. In the second and
third acts, it grows into a presence of great force. The lower register is firmly grounded, the
upper range clear and sustained, the diction sharply defined. This Hagen does not push
himself forward, but stands there like something one cannot avoid. He seems less a villain
than a consequence of everything that has come before.
Camilla Nylund’s Brünnhilde is the center around which the evening turns. Her voice has a
flexibility and breadth that allow her to move between strength and reflection without ever
losing tension. In the great outbursts there is a clear, open energy; in the quieter passages,
an almost sober precision. In the second act there is something in her sound that goes
beyond anger and hurt. It feels like a moment of recognition, as if this figure understands
what this world costs and what it owes. Her presence changes the way one listens. The
space seems to orient itself toward her.
Johannes Martin Kränzle gives Alberich a dark, carrying baritone that focuses less on
outward demonization than on inner tension. The dialogue with Hagen becomes a quiet,
intense exchange between two figures who recognize each other in their desire.
Russell Braun has a beautiful, dark-colored depth, but compared to the Wagnerian elite of
the evening he falls somewhat short vocally. Dramatically, he convinces all the more: his
Gunther appears bent and broken, a figure who shows his weakness openly and gains
definition precisely through it.
Nina Stemme as Waltraute brings her own history onto the stage. In her voice one hears the
memory of her years as Brünnhilde, a role she herself shaped over a long time. The lower
register is warm and broad, the upper range still clear and carrying. In the scene with Nylund
there is no competition, but a passing on, as if an earlier Brünnhilde were handing something
to a later one without the need for words.
Olga Bezsmertna gives Gutrune a voice with a palpable sense of drama. It sounds tense,
sometimes almost painful, and gives the figure an inner involvement that goes beyond
simple naivety. As a Norne, she also adds a darker, more serious accent. Christa Mayer, as
a Norne, brings a quiet, penetrating gravity. Her mezzo lays a firm, dark ground at the
beginning of the evening, as if something unavoidable were already present in the space.
The Rhinemaidens blend in with sonic clarity and visible joy in their stage presence. The
chorus brings a special physical presence to the stage. One senses the cohesion of the
voices and at the same time the pleasure of making music together. The male voices fill the
space not only with sound, but with a kind of energy that makes the social world of this opera
tangible.
Alexander Soddy leads the Scala orchestra to a level that one does not take for granted in
Wagner at this house. From act to act, the sound grows in expressive depth, as if the
orchestra itself were entering more and more deeply into this music and trusting it. The tempi
are brisk, but never superficial, creating a pull that carries the long evening forward in an
absorbing and inevitable way.
The Funeral March becomes the emotional focal point of the night. Soddy shapes a dark,
longing weight that does not aim for effect, but for truth. The hall holds its breath, tears are
no exception. Here the orchestra does not accompany, it speaks. One leaves with the
impression that this music does not always need the great names, but a conductor who
knows how to listen to an ensemble in order to lead it beyond itself.
In the end, the image remains of the dancing gold in an empty space. The music has long
since fallen silent, but the thought remains. One leaves with the feeling of not only having
seen and heard something, but of carrying something away that does not immediately turn
into words. And perhaps for that very reason, it stays a while longer.
Veit Störmer






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