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Großartiger Parsifal im kleinen Erl

  • Jared Schönfeldt
  • hace 14 horas
  • 9 Min. de lectura

Parsifal, Richard Wagner

Tiroler Festspiele Erl

02.04.2026 (Wiederaufnahme)


Personen:

Asher Fisch (Dirigat), Philipp M. Krenn (Regie), Heike Vollmer (Bühnenbild), Regine Standfuss (Kostüme), Stefan Schlagbauer (Licht), Thomas Achatz (Video)


Stimmen:

Michael Nagy (Amfortas), Falk Struckmann (Titurel), René Pape (Gurnemanz), Jamez McCorkle (Parsifal), Audun Iversen (Klingsor), Ricarda Merbeth (Kundry)

Chor der Tiroler Festspiele Erl

Orchester der Tiroler Festspiele Erl


Szenisch startet diese Inszenierung von Philipp M. Krenn leider sehr schwach und wirkt weniger innovativ als eher wie eine misslungene Adaption des Bayreuther Parsifal von Jay Scheib, nur ohne die Farbenfreude, die exakt diesen so schön machte.


Bis zur ersten Verwandlung steht ein deplatziert, und sicher nicht nach Lichtung oder See –  abgesehen von dem kleinen Pool, der in den Bühnenboden eingelassen wurde – wirkender Raum, im Zentrum der Handlung, welcher – auch aufgrund des eher minimalistischen Schauspiels – einfach nur langweilig wirkt. Auch die Projektionen auf dem gänzlich weißen Bühnenbild, die zwar an Geäst erinnern, tragen wenig zum Gesamtbild bei und verwirren anfangs eher aufgrund der zwar eher subtilen, aber doch etwas psychedelisch wirkenden Natur trotz fehlender Farbe. Dafür kann das Erler Festspielorchester unter Leitung von Asher Fisch diesen optisch schwachen ersten Teil, trotz anfänglicher kleiner Ausrutscher, mit enormer Ausdruckskraft und hoher Präzision umso eindrucksvoller kompensieren, wofür es auch vom Publikum gerechtfertigt gefeiert wurde. Erst mit der ersten Verwandlung zeigen Philipp M. Krenn und Heike Vollmer (Bühnenbild), was sie eigentlich mit den 6 abstrakten Bühnenelementen zeigen wollen: Durch dynamisches Verschieben öffnet sich der enge Raum des ersten Bilds nun zu einem offenen Raum, der auch durch eine Projektion auf dem Bühnenhorizont verlängert wird.


In diesem Raum kann auch der Chor der Tiroler Festspiele Erl erstmals aufblühen. Positiv fällt dabei die für Opernchöre durchaus unübliche Präzision auf, welche durch das Orchester sehr schön erwidert wird und damit das Abendmahl zusammen mit dem bühnentechnischen Erscheinen des Grals aus dem Boden der Bühne sehr beeindruckend herüberbringt.


Als Kontrast zu diesem reinen, weißen Bühnenbild der Gralsgemeinschaft wird im zweiten Akt Klingsors Zaubergarten durch von Farbspritzern übersäte Bühnenelemente und farbig befleckte Kleider (Regine Standfuss) sehr farbig in Szene gesetzt; ein definitiv gelungener Kontrast. Diese Farbe wird nun auch aktiv durch die floral-abstrakten Videoprojektionen von Thomas Achatz unterstützt, durch welche die Bühne zu Teilen an ein Pollock-Gemälde erinnert.


Passend zu diesem sehr eindrucksvollen Bild liefern sich auch Ricarda Merbeth als Kundry und Audun Iversen sehr energetische Duette, wobei erstere später mit Parsifal, welcher von Jamez McCorkle gesungen wird, durch den Kontrast zwischen angenehm mütterlicher, und durchaus scharfer Stimme gegenüber Klingsor positiv heraussticht.


Ganz im Sinne von ››Das Beste kommt zum Schluss‹‹ eröffnet der Vorhang zum dritten Akt den Blick auf ein absolutes Chaos auf der Bühne: Bühnenelemente teils noch befleckt mit Farbe, teils sauber, einige nur etwas gedreht, andere schief an den Seiten der Bühne lehnend und als Mitte des Bildes eins völlig auf der Seite liegend. Durch dieses Chaos, sinnbildlich für die zerstrittene Gralsritterschaft, muss nun Parsifal mitsamt des Speers navigieren.


Im Laufe des Aktes wird dieses Chaos schließlich szenisch immer weiter aufgeräumt: Die Gralsritter schieben die Bühnenelemente von der Bühne und richten die gekippten Elemente wieder auf – um zum Schluss einen völlig leeren Raum zu schaffen, frei von Klingsors Bösem, frei von dem Konflikt in der Gralsgemeinschaft und bald auch frei von Amfortas’ Leiden.


Den feierlichen Abschluss, und die endgültige Erlösung, liefert die Inszenierung in einem Finale, welches Bühnenhandlung und Publikum zu einem verschmelzen lässt: Der Horizont öffnet sich und der Chor wandert singend durch den Saal ins Publikum, das Saallicht wird eingeschaltet und der Orchestergraben hebt sich, um das Orchester, ähnlich einem Konzert, dem Publikum zu präsentieren, vermutlich eine Hommage an das Thema der Oper, Erlösung und Vergebung, und ein wahrlich passender Abschluss dieser musikalischen Glanzleistung.


Diese Glanzleistung ist dabei insbesondere der fantastischen Besetzung zu verdanken, welche mit Jamez McCorkle auch gleichzeitig ein beeindruckendes Rollendebüt an den Tag bringen konnte. Zwar wirkte dieser zu Beginn stimmlich fast ein wenig leicht für die Rolle des Parsifal, gewann jedoch stetig an Raum und konnte so einen sehr überzeugenden Parsifal auf die Bühne bringen. Auch der Gurnemanz war mit dem Wagner-erfahrenen René Pape fantastisch besetzt, welcher den Abend kraftvoll, aber präzise tragen konnte, ohne dabei von den teils etwas übereifrig wirkenden Blechbläsern und dem Schlagwerk übertönt zu werden.


Auch Amfortas’ Rolle ist mit der Besetzung durch Michael Nagy durchaus solide und lässt seine Erfahrung als Wagnersänger auch hören. Die Wahl, ihn in einem Rollstuhl zu inszenieren, erschwert die Rolle zwar, dies meistert er aber sondergleichen.

Einzig enttäuschend waren die Orchesterstellen von der Seitenbühne, denen der Akustik verschuldet die Energie fehlte. Dafür konnten die reinen Orchesterstücke umso stärker beeindrucken.


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Tiroler Festspiele mit dieser durchaus gelungenen Produktion zwar knapp nicht direkt ins Schwarze getroffen haben, aber insbesondere mit diesem Ende einen positiven, bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch die weitreichende Neubesetzung im Vergleich zur Premiere in der letzten Spielzeit lässt wenig zu wünschen übrig.


Jared Schönfeldt



Parsifal, Richard Wagner

Tiroler Festspiele Erl

02.04.2026 (revival)


Production team:


Asher Fisch (conductor), Philipp M. Krenn (stage director), Heike Vollmer (set design), Regine Standfuss (costumes), Stefan Schlagbauer (lighting), Thomas Achatz (video)


Cast:


Michael Nagy (Amfortas), Falk Struckmann (Titurel), René Pape (Gurnemanz), Jamez McCorkle (Parsifal), Audun Iversen (Klingsor), Ricarda Merbeth (Kundry)


Chor der Tiroler Festspiele Erl

Orchester der Tiroler Festspiele Erl


Scenically, this production by Philipp M. Krenn unfortunately begins very weakly and appears less innovative than more like an unsuccessful adaptation of the Bayreuth *Parsifal* by Jay Scheib—only without the richness of color that made that production so striking.


Until the first transformation, a space stands at the center of the action that feels out of place and certainly does not evoke a clearing or a lake—apart from the small pool embedded in the stage floor. Combined with rather minimalist acting, it simply comes across as dull. The projections on the entirely white set, which vaguely resemble branches, contribute little to the overall impression and initially tend to confuse, due to their subtly yet somewhat psychedelic nature despite the lack of color.


However, the Erl Festival Orchestra under the direction of Asher Fisch compensates all the more impressively for this visually weak first part with tremendous expressiveness and high precision, despite a few minor slips at the beginning, for which it was rightly celebrated by the audience. Only with the first transformation do Philipp M. Krenn and Heike Vollmer (set design) reveal what they intended with the six abstract stage elements: through dynamic repositioning, the confined space of the first scene opens into a broader one, further extended by a projection on the stage horizon.


In this space, the chorus of the Tyrolean Festival Erl can also flourish for the first time. Particularly noteworthy is the precision—quite unusual for opera choruses—which is beautifully matched by the orchestra, making the Communion scene, together with the technical staging of the Grail emerging from the stage floor, highly impressive.


In contrast to the pure white stage design of the Grail community, Klingsor’s magic garden in the second act is presented in vivid colors, with stage elements splattered in paint and costumes stained with color (Regine Standfuss)—a clearly successful contrast. This use of color is further enhanced by Thomas Achatz’s floral-abstract video projections, which at times make the stage resemble a painting by Pollock.


Matching this striking visual atmosphere, Ricarda Merbeth as Kundry and Audun Iversen engage in highly energetic duets. Later, Merbeth also stands out in her scenes with Parsifal, sung by Jamez McCorkle, particularly through the contrast between her warm, almost maternal tone and the sharper edge she brings in opposition to Klingsor.


In keeping with the idea that “the best comes last,” the curtain rises on the third act to reveal complete chaos on stage: some set elements still stained with paint, others clean; some slightly turned, others leaning crookedly at the sides, and one lying entirely on its side at the center. Through this chaos—symbolizing the fractured brotherhood of the Grail knights—Parsifal must now navigate with the spear.


Over the course of the act, this chaos is gradually cleared away: the Grail knights remove the stage elements and restore those that had fallen, ultimately creating a completely empty space—free from Klingsor’s evil, free from conflict within the Grail community, and soon also free from Amfortas’s suffering.


The solemn conclusion and final redemption are delivered in a staging that merges stage action and audience: the horizon opens, and the chorus walks singing through the auditorium into the audience; the house lights are turned on, and the orchestra pit rises, presenting the orchestra to the audience like in a concert. This is presumably a homage to the opera’s themes of redemption and forgiveness—and a truly fitting conclusion to this outstanding musical achievement.


This achievement is due in particular to the excellent cast, with Jamez McCorkle delivering an impressive role debut. While his voice initially seemed almost a bit light for Parsifal, it gained presence steadily, resulting in a very convincing portrayal. Gurnemanz, performed by the Wagner-experienced René Pape, was also superbly cast, carrying the evening with strength and precision without being overshadowed by the occasionally overzealous brass and percussion.


Amfortas, sung by Michael Nagy, is also solidly cast, and his experience as a Wagner singer is clearly evident. Although staging him in a wheelchair adds difficulty to the role, he handles it exceptionally well.


The only disappointment came from the offstage orchestral passages, which lacked energy due to acoustic limitations. By contrast, the purely orchestral sections were all the more impressive.


In summary, the Tyrolean Festival has delivered a largely successful production that may not hit the mark perfectly, but—especially with its ending—leaves a lasting positive impression. The extensive recasting compared to the premiere in the previous season also leaves little to be desired.


Jared Schönfeldt


Parsifal, Richard Wagner

Tiroler Festspiele Erl

02.04.2026(reposición)


Equipo artístico:


Asher Fisch (dirección musical), Philipp M. Krenn (dirección escénica), Heike Vollmer (escenografía), Regine Standfuss (vestuario), Stefan Schlagbauer (iluminación), Thomas Achatz (video)


Reparto:


Michael Nagy (Amfortas), Falk Struckmann (Titurel), René Pape (Gurnemanz), Jamez McCorkle (Parsifal), Audun Iversen (Klingsor), Ricarda Merbeth (Kundry)


Chor der Tiroler Festspiele Erl

Orchester der Tiroler Festspiele Erl


Desde el punto de vista escénico, esta producción de Philipp M. Krenn comienza lamentablemente de forma muy débil y resulta menos innovadora que una fallida adaptación del *Parsifal* de Bayreuth de Jay Scheib, aunque sin la riqueza cromática que hacía precisamente tan atractiva aquella propuesta.


Hasta la primera transformación, un espacio situado en el centro de la acción resulta fuera de lugar y no evoca en absoluto un claro o un lago —salvo por la pequeña piscina empotrada en el suelo del escenario—. Unido a una interpretación escénica más bien minimalista, el resultado es simplemente aburrido. Las proyecciones sobre la escenografía completamente blanca, que recuerdan vagamente a ramas, aportan poco al conjunto y al principio incluso desconciertan por su carácter sutilmente psicodélico pese a la ausencia de color.


En cambio, la orquesta del Festival de Erl bajo la dirección de Asher Fisch compensa con creces esta debilidad visual en el primer acto con una enorme expresividad y gran precisión, pese a algunos pequeños tropiezos iniciales, lo que fue justamente celebrado por el público. Solo con la primera transformación Philipp M. Krenn y Heike Vollmer (escenografía) muestran realmente su intención con los seis elementos escénicos abstractos: mediante desplazamientos dinámicos, el espacio cerrado del primer cuadro se abre a uno más amplio, prolongado además por una proyección en el horizonte escénico.


En este nuevo espacio también el coro del Festival Tirolés de Erl puede lucirse por primera vez. Destaca especialmente su precisión —poco habitual en coros de ópera—, correspondida de forma muy acertada por la orquesta, logrando que la escena de la comunión, junto con la aparición técnica del Grial desde el suelo del escenario, resulte sumamente impactante.


Como contraste con la pureza blanca de la escenografía de la comunidad del Grial, en el segundo acto el jardín mágico de Klingsor se presenta con gran colorido mediante elementos escénicos salpicados de pintura y vestuarios manchados de color (Regine Standfuss), constituyendo un contraste claramente logrado. Este uso del color se ve reforzado por las proyecciones de video florales y abstractas de Thomas Achatz, que por momentos recuerdan a una pintura de Pollock.


En consonancia con esta potente imagen escénica, Ricarda Merbeth como Kundry y Audun Iversen protagonizan dúos muy enérgicos. Más adelante, Merbeth también destaca junto a Parsifal, interpretado por Jamez McCorkle, especialmente por el contraste entre un timbre cálido y casi maternal y una sonoridad más incisiva frente a Klingsor.


Siguiendo la idea de que “lo mejor llega al final”, el telón del tercer acto se abre mostrando un auténtico caos en escena: algunos elementos escenográficos aún manchados de pintura, otros limpios; algunos ligeramente girados, otros inclinados a los lados, y uno completamente volcado en el centro. A través de este caos —símbolo de la fracturada hermandad de los caballeros del Grial— debe avanzar Parsifal con la lanza.


A lo largo del acto, este desorden se va resolviendo progresivamente: los caballeros retiran los elementos escénicos y recolocan los caídos, hasta crear finalmente un espacio completamente vacío, libre del mal de Klingsor, del conflicto de la comunidad del Grial y pronto también del sufrimiento de Amfortas.


El solemne final y la redención definitiva llegan con una puesta en escena que fusiona acción y público: el horizonte se abre, el coro avanza cantando por la sala entre los espectadores, se encienden las luces y el foso de la orquesta se eleva, presentando a los músicos como en un concierto. Probablemente se trate de un homenaje al tema central de la ópera —la redención y el perdón— y constituye un cierre verdaderamente adecuado para este brillante logro musical.


Este logro se debe en gran parte al excelente reparto, en el que Jamez McCorkle ofrece además un impresionante debut en el papel. Aunque al inicio su voz parecía quizá algo ligera para Parsifal, fue ganando presencia progresivamente hasta ofrecer una interpretación muy convincente. También Gurnemanz, interpretado por el experimentado wagneriano René Pape, estuvo magníficamente elegido, sosteniendo la velada con fuerza y precisión sin verse eclipsado por unos metales y una percusión ocasionalmente demasiado impetuosos.


El papel de Amfortas, a cargo de Michael Nagy, resulta igualmente sólido y deja oír su experiencia como cantante wagneriano. La decisión de presentarlo en silla de ruedas añade dificultad al rol, pero la resuelve con gran solvencia.


El único aspecto decepcionante fueron los pasajes orquestales desde los laterales del escenario, que, debido a cuestiones acústicas, carecieron de energía. Por el contrario, los fragmentos puramente orquestales resultaron aún más impresionantes.


En resumen, el Festival Tirolés ofrece con esta producción un resultado bastante logrado que, aunque no alcanza plenamente el objetivo, deja —especialmente gracias a su final— una impresión positiva y duradera. Asimismo, la amplia renovación del reparto respecto al estreno de la temporada anterior apenas deja lugar a críticas.


Jared Schönfeldt



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