top of page

Erinnerung als Verpflichtung in Bayreuth

  • Dr. Eloi de Tera
  • hace 2 días
  • 15 min de lectura

GEDENKVERANSTALTUNG „Verstummte Stimmen“

Sonntag, 26. Juli 2026

Festspielhaus Bayreuth


Nach Monaten, in denen die Debatte um die geplante Gedenkveranstaltung mit Michel Friedman die öffentliche Wahrnehmung beherrscht hatte, fand sie nun endlich statt. Dass sie überhaupt notwendig war, sagt bereits viel über den Zustand unserer Erinnerungskultur. Noch aufschlussreicher aber war, wer anwesend war – und vor allem, wer fehlte. Ausgerechnet zahlreiche jener Persönlichkeiten, die wenige Stunden später selbstverständlich auf dem Grünen Hügel erschienen, um Wagner zu hören, hielten es offenbar nicht für erforderlich, zuzuhören, wenn es um historische Verantwortung ging.

Dabei war diese Veranstaltung längst überfällig. Mehr noch: Sie war eine moralische Notwendigkeit. Und selbst in ihrer jetzigen Form kann sie kaum als ausreichend gelten.

Die Einwände ihrer Kritiker sind bekannt. Gerade in Bayreuth begegnet man bis heute einem Milieu, das jede Form historischer Selbstbefragung mit sichtbarer Gereiztheit beantwortet. Doch genau diese Abwehr macht deutlich, weshalb solche Veranstaltungen nicht Ausnahme, sondern Regel sein sollten. Denn das eigentliche Problem besteht nicht in einer vermeintlichen Überbetonung der Vergangenheit, sondern in der anhaltenden Schwierigkeit vieler Menschen, sie überhaupt anzuerkennen. Nicht nur anzuerkennen, dass Fehler begangen wurden, sondern dass Verbrechen begangen wurden.


Die Ausstellung „Verstummte Stimmen“ besteht seit vielen Jahren und hat unter Wagnerianern immer wieder Kontroversen hervorgerufen, da sie von einigen als Affront gegen den Meister verstanden wird. Umso notwendiger war dieser Akt des Gedenkens und der kritischen Reflexion über die Vergangenheit.


Die Geschichte Bayreuths erschöpft sich keineswegs in der Instrumentalisierung Wagners durch das nationalsozialistische Regime. Sie reicht weit darüber hinaus. Winifred stellte das Festival Hitler bereitwillig als kulturellen und symbolischen Resonanzraum zur Verfügung. Bayreuth wurde in den vierziger Jahren zu einem politischen Machtzentrum des Regimes.


Hitler erschien dort nicht wie heutige Politiker zu einem Eröffnungsabend mit anschließendem Empfang. Er lebte während der Festspielzeit im Haus Wahnfried gemeinsam mit der Familie Wagner. Das Festival war für ihn nicht bloß ein kulturelles Ereignis, sondern ein Ort politischer Selbstinszenierung und ideologischer Vergewisserung.


Wenn Hitler über den Haupteingang erschien und sich auf dem Balkon zeigte – jenem Ort, an dem heute die politischen Repräsentanten Platz nehmen –, wurde er vom Publikum mit Begeisterung empfangen. Während im Festspielhaus die MeistersingerParsifal oder der Ring des Nibelungen erklangen, arbeitete die Mordmaschinerie des Regimes unvermindert weiter. Tag für Tag wurden Menschen in den Vernichtungslagern ermordet, während in Bayreuth die vermeintliche Erhabenheit deutscher Kunst gefeiert wurde.


Gerade deshalb darf die Debatte nicht auf Wagner als Komponisten reduziert werden. Im Zentrum steht vielmehr die Geschichte des Festspielhügels selbst, die Geschichte Wahnfrieds und der Familie Wagner – eine Geschichte, die untrennbar mit der politischen Realität des Nationalsozialismus verbunden ist.


Katharina Wagner hat mit bemerkenswerter Klarheit gehandelt. Ohne Relativierungen, ohne Ausflüchte und ohne den Versuch, historische Verantwortung hinter diplomatischen Formeln zu verstecken. Die Einladung Michel Friedmans war ein deutliches Signal dafür, dass Bayreuth bereit ist, sich seiner eigenen Vergangenheit zu stellen. Schließlich hat Katharina Wagner den Mut bewiesen, die Bayreuther Festspiele beharrlich zu einem freien und demokratischen Ort weiterzuentwickeln, ohne dabei die Vergangenheit zu vergessen oder zu verleugnen. Mit Entschlossenheit und großem persönlichem Einsatz hat sie einen tiefgreifenden Wandel eingeleitet – eine Leistung, für die ihr noch viele Generationen dankbar sein werden.


Bedauerlich bleibt lediglich, dass diese Veranstaltung nicht am Eröffnungstag stattfand, als sämtliche politischen Repräsentanten anwesend waren. Denn Friedmans Botschaft richtete sich keineswegs ausschließlich an die Vergangenheit. Wie er selbst betonte, geht es nicht allein um Auschwitz oder die Schoah – so zentral diese bleiben. Entscheidend ist vielmehr das Verständnis jener politischen und gesellschaftlichen Mechanismen, die totalitäre Systeme überhaupt erst möglich machen. Jeden Sommer wurde Bayreuth zur Hauptstadt eines totalitären Regimes, von dem aus Hitler Krieg und Vernichtung propagierte und vorantrieb. Dabei ist Wagner nicht der eigentliche Kern der Problematik, ebenso wenig wie der Antisemitismus allein – so sehr dieses Thema auf der Bühne missverstanden wurde und einer differenzierten Interpretation bedarf. Vielmehr geht es um den Missbrauch von Kultur und kulturellen Institutionen als Plattformen zur Ausübung politischer Macht. Hitler instrumentalisierte nicht nur Wagners Musik; kaum ein kulturelles Symbol blieb von seiner Manipulation verschont – seien es Weihnachten, religiöse Feste, die Literatur oder die Vereinnahmung historischer Orte wie der Stiftskirche von Quedlinburg. Erinnern wir uns daran, wie Wladimir Putin vor einigen Jahren im antiken Theater von Palmyra gemeinsam mit dem Orchester des Mariinski-Theaters unter der Leitung von Valery Gergiev – eines Theaters, das heute in seiner damaligen Form nicht mehr existiert – ein Konzert veranstaltete, und bedenken wir, wie sich ähnliche Szenarien bis heute weltweit wiederholen. Allzu oft richten wir unseren Blick nur auf das Ereignis selbst – auf die Aufführung, die Musik, das sichtbare Ergebnis –, nicht aber auf die Mechanismen, die eine solche Instrumentalisierung von Kultur überhaupt erst ermöglichen. Solange sich derartige Formen politischer Vereinnahmung irgendwo auf der Welt wiederholen, muss Bayreuth sich seiner Geschichte erinnern.


Gerade darin liegt die erschreckende Aktualität seiner Worte. Auch heute erleben wir weltweit, wie demokratische Institutionen schrittweise ausgehöhlt werden, wie extremistische Bewegungen an Einfluss gewinnen und wie Macht sich erneut mit erschreckender Leichtigkeit konzentrieren kann. Immer wieder geschieht dies unter dem Vorwand eines angeblich höheren Gutes, während Menschen entrechtet, verfolgt oder getötet werden.


Solange solche Entwicklungen fortbestehen, ist Erinnerung keine rückwärtsgewandte Übung. Sie ist eine demokratische Pflicht.


Deshalb darf diese Veranstaltung kein singuläres Ereignis bleiben. Sie sollte Jahr für Jahr stattfinden – nicht aus ritualisierter Gewohnheit, sondern weil Erinnerung immer wieder neu eingeübt werden muss. Wer behauptet, all dies sei längst gesagt worden oder gehöre endlich abgeschlossen, verkennt nicht nur die Geschichte. Er verkennt die Gegenwart.


Ebenso eindrucksvoll wie notwendig war der musikalische Rahmen des Abends. Semyon Bychkov eröffnete die Veranstaltung mit dem Siegfried-Idyll in einer kammermusikalischen Besetzung aus Mitgliedern des Festspielorchesters. Selten dürfte dieses Werk mit einer derart feinen Balance zwischen technischer Präzision und klanglicher Zartheit erklungen sein.


Bychkov dirigiert nicht mit demonstrativer Geste, sondern mit der Genauigkeit eines Chirurgen. Seine Hände scheinen jede Phrase freizulegen, jede Stimme behutsam voneinander zu lösen und dennoch in ein vollkommenes Ganzes zurückzuführen. Unter seiner Leitung offenbarte Wagners Partitur eine Transparenz und innere Schönheit, die selbst vertraute Passagen neu erscheinen ließ.


Es folgten ein Bläserquintett von Pavel Haas sowie den Klavierquartett a-Moll von Gustav Mahler, beide auf höchstem musikalischem Niveau. Allenfalls eine Leerstelle blieb bestehen: Angesichts des Anlasses hätte die Einbeziehung eines Werkes jüdischer Komponisten eine zusätzliche symbolische Kraft entfalten können.


Dennoch bleibt die eigentliche Botschaft dieses Tages eine andere. Erinnerung ist niemals abgeschlossen. Sie ist keine Zeremonie und keine historische Formalität. Sie ist eine dauerhafte Verpflichtung jeder demokratischen Gesellschaft.

Solange Ideologien Menschen gegeneinander aufbringen, solange politische Macht den Anspruch erhebt, Andersdenkende auszugrenzen oder gar zu vernichten, solange bleibt das Erinnern nicht nur legitim. Es bleibt unverzichtbar.


Michel Friedman erinnerte wiederholt an die Worte seines Vaters: „Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.“ Denn wir müssen weiterhin für unsere Freiheit und unsere Rechte eintreten. Friedmann stellte die eindringliche Frage: „Sind Sie sicher, dass wir auch in fünf Jahren noch in Freiheit und Demokratie leben werden?“ Eine Frage, die zum Nachdenken zwingt. Ich fürchte, dass Freiheit und Demokratie im Zeitalter der Smartphones und der sozialen Medien seit Jahren schleichend an Boden verlieren und dass die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte – nicht nur weltweit, sondern auch in Europa – mit der stillschweigenden Zustimmung einer immer größer werdenden Mehrheit zunehmend mit Füßen getreten wird.


Dr. Eloi de Tera

Leiter des Lohengrin Magazins


Photos: Bayreuther Festspiele, Enrico Nawrath, 2026


Memory and Responsibility

Commemorative Event: “Silenced Voices”

Sunday, 26 July 2026

Bayreuth Festival Theatre


After months during which the debate surrounding the planned commemorative event with Michel Friedman dominated public discussion, it finally took place. The fact that such an event was necessary already says a great deal about the current state of our culture of remembrance. Even more revealing, however, was who attended—and, above all, who did not. Remarkably, many of those who only a few hours later naturally took their seats on the Green Hill to listen to Wagner apparently did not consider it equally important to listen when the subject was historical responsibility.


This event was long overdue. More than that, it was a moral necessity. Even in its present form, however, it can hardly be regarded as sufficient.


The objections raised by its critics are well known. In Bayreuth, one still encounters a milieu that responds with visible irritation to any form of historical self-examination. Yet precisely this resistance demonstrates why such events should become the norm rather than the exception. The real problem is not an alleged overemphasis on the past, but the persistent difficulty many people still have in acknowledging it—not merely acknowledging that mistakes were made, but recognising that crimes were committed.

The exhibition Silenced Voices has existed for many years and has repeatedly sparked controversy among Wagnerians, some of whom perceive it as an affront to the Master. All the more reason why this act of remembrance and critical reflection on the past was so necessary.


Bayreuth’s history extends far beyond the National Socialist appropriation of Wagner’s works. Winifred Wagner willingly transformed the Festival into a cultural and symbolic platform for Hitler. During the 1940s, Bayreuth became a political centre of the regime.

Hitler did not attend merely as modern politicians do today, appearing for an opening night followed by a reception. During the Festival season he lived at Haus Wahnfried together with the Wagner family. For him, the Festival was not simply a cultural event but a stage for political self-representation and ideological affirmation.


When Hitler appeared at the main entrance and greeted the public from the balcony—the very place where political representatives are seated today—he was welcomed with enthusiastic applause. While Die Meistersinger von Nürnberg, Parsifal or Der Ring des Nibelungen resounded inside the Festspielhaus, the machinery of mass murder continued its work without interruption. Day after day, people were being exterminated in the concentration camps while the supposed grandeur of German art was being celebrated in Bayreuth.


For this very reason, the discussion must not be reduced to Wagner the composer. At its heart lies the history of the Festival itself, of Wahnfried and of the Wagner family—a history inseparably intertwined with the political reality of National Socialism.

Katharina Wagner has acted with remarkable clarity. Without relativisation, without excuses and without attempting to conceal historical responsibility behind diplomatic formulas. By inviting Michel Friedman, she sent a clear signal that Bayreuth is prepared to confront its own past.


She has shown the courage to continue transforming the Bayreuth Festival into a place of freedom and democracy without forgetting or denying history. With determination and personal commitment, she has initiated a profound transformation—an achievement for which future generations will remain grateful.


The only regrettable aspect is that this event did not take place on opening day, when all political representatives were present. Friedman's message was by no means directed solely at the past. As he himself emphasised, the issue is not only Auschwitz or the Shoah, central though they remain. What truly matters is understanding the political and social mechanisms that make totalitarian systems possible in the first place.


Every summer Bayreuth became the capital of a totalitarian regime from which Hitler promoted and advanced war and extermination. Wagner himself is not the central issue, nor is antisemitism alone—even though this subject has often been misunderstood in discussions surrounding his work and undoubtedly requires careful interpretation. The real issue is the abuse of culture and cultural institutions as instruments of political power.


Hitler did not merely exploit Wagner's music. Hardly any cultural symbol escaped manipulation: Christmas, religious festivals, literature, even historical monuments such as the Collegiate Church of Quedlinburg were appropriated for ideological purposes.

One only has to recall Vladimir Putin's concert in the ancient theatre of Palmyra together with the Mariinsky Orchestra under Valery Gergiev—an orchestra and institution that no longer exist in the same form today—to recognise how similar situations continue to occur around the world. Too often we focus solely on the event itself—the performance, the music, the visible result—without reflecting on the mechanisms that make such political instrumentalisation of culture possible.


As long as such forms of political manipulation continue anywhere in the world, Bayreuth must continue to remember its own history.


It is precisely here that Friedman's words reveal their alarming relevance. Even today we witness democratic institutions being gradually eroded, extremist movements gaining influence, and political power becoming concentrated with disturbing ease. Time and again this happens under the pretext of serving some supposedly greater good, while people are deprived of their rights, persecuted or even murdered.


As long as these developments persist, remembrance is not an exercise in looking backwards. It is a democratic obligation.


For that reason, this event must not remain an isolated occasion. It should become an annual tradition—not as an empty ritual, but because remembrance is something that must constantly be renewed. Those who claim that everything has already been said, or that this chapter should finally be closed, misunderstand not only history but also the present.


The evening's musical programme was as moving as it was appropriate. Semyon Bychkov opened the event with Wagner's Siegfried Idyll, performed by a chamber ensemble drawn from members of the Festival Orchestra. Rarely has this work achieved such a refined balance between technical precision and musical delicacy.


Bychkov conducts without theatrical gestures but with the precision of a surgeon. His hands seem to reveal every phrase, gently separating every individual voice while simultaneously weaving them back into a perfectly unified whole. Under his direction Wagner's score acquired a transparency and inner beauty that made even familiar passages sound newly discovered.


The programme continued with Pavel Haas's Wind Quintet and Gustav Mahler's Piano Quartet in A minor, both performed at an exceptionally high artistic level. Only one absence remained noticeable: given the significance of the occasion, the inclusion of a work by a Jewish composer would have added an even stronger symbolic dimension.

Yet the true message of this day lies elsewhere. Remembrance is never finished. It is neither a ceremony nor a historical formality. It is a permanent responsibility shared by every democratic society.


As long as ideologies continue to set human beings against one another, as long as political power claims the right to exclude—or even annihilate—those who think differently, remembrance remains not merely legitimate. It remains indispensable.

Michel Friedman repeatedly quoted his father's words: "The last word has not yet been spoken." We must therefore continue defending our freedom and our rights.

He posed a deeply unsettling question:


"Are you certain that, five years from now, we will still be living in freedom and democracy?"


It is a question that forces us to reflect. I fear that, in the age of smartphones and social media, freedom and democracy have for years been gradually losing ground, and that the Universal Declaration of Human Rights is increasingly being trampled underfoot—not only across the world, but even within Europe—with the silent consent of an ever-growing majority.


Dr Eloi de Tera

Editor-in-Chief, Lohengrin Magazine



Memoria y responsabilidad

Acto conmemorativo «Voces silenciadas»

Domingo, 26 de julio de 2026

Festspielhaus de Bayreuth


Tras meses en los que el debate en torno al acto conmemorativo previsto con Michel Friedman había dominado la opinión pública, finalmente pudo celebrarse. El simple hecho de que una iniciativa como esta fuera necesaria dice ya mucho sobre el estado de nuestra cultura de la memoria. Pero aún más revelador fue quiénes estuvieron presentes y, sobre todo, quiénes brillaron por su ausencia. Resulta significativo que muchas de las personalidades que apenas unas horas más tarde ocuparían con total naturalidad sus localidades en la Colina Verde para escuchar a Wagner no consideraran igualmente importante asistir cuando el tema era la responsabilidad histórica.


Este acto llegaba con muchos años de retraso. Más aún: constituía una necesidad moral. E incluso en la forma en que finalmente se celebró, difícilmente puede considerarse suficiente.


Las críticas que ha suscitado son bien conocidas. En Bayreuth sigue existiendo un sector que responde con visible incomodidad a cualquier intento de examinar críticamente el pasado. Sin embargo, precisamente esa resistencia demuestra por qué actos como este no deberían ser una excepción, sino una constante. El verdadero problema no es un supuesto exceso de memoria, sino la persistente dificultad de muchas personas para reconocer el pasado; no solo para admitir que se cometieron errores, sino para aceptar que se cometieron crímenes.


La exposición «Voces silenciadas» existe desde hace años y ha provocado repetidas controversias entre numerosos wagnerianos, algunos de los cuales la consideran una afrenta al Maestro. Precisamente por ello, este ejercicio de memoria y reflexión crítica sobre el pasado resultaba más necesario que nunca.


La historia de Bayreuth no se limita, en absoluto, a la instrumentalización de Wagner por parte del régimen nacionalsocialista. Va mucho más allá. Winifred Wagner puso el Festival al servicio de Hitler de manera voluntaria, convirtiéndolo en un espacio de resonancia cultural y simbólica del régimen. Durante la década de 1940, Bayreuth se transformó en uno de sus principales centros políticos.


Hitler no acudía allí como hoy lo hacen los representantes políticos, asistiendo a una inauguración seguida de una recepción oficial. Durante el Festival vivía en la Villa Wahnfried junto a la familia Wagner. Para él, Bayreuth no era simplemente un acontecimiento cultural, sino un escenario privilegiado para su propia escenificación política y para la reafirmación ideológica del régimen.


Cuando Hitler aparecía por la entrada principal y saludaba desde el balcón —el mismo lugar donde hoy se sientan las autoridades políticas— era recibido con entusiasmo por el público. Mientras en el Festspielhaus resonaban Los maestros cantores de Núremberg, Parsifal o El anillo del nibelungo, la maquinaria de exterminio continuaba funcionando sin descanso. Día tras día, miles de personas eran asesinadas en los campos de exterminio mientras en Bayreuth se celebraba la supuesta grandeza del arte alemán.


Por ello, el debate no puede reducirse a Wagner como compositor. El verdadero centro de la cuestión es la historia del propio Festival, de Wahnfried y de la familia Wagner; una historia inseparable de la realidad política del nacionalsocialismo.


Katharina Wagner ha actuado con una claridad admirable. Sin relativizaciones, sin excusas y sin intentar esconder la responsabilidad histórica tras fórmulas diplomáticas. La invitación a Michel Friedman constituyó una señal inequívoca de que Bayreuth está dispuesto a enfrentarse a su propio pasado.


Katharina Wagner ha demostrado el valor necesario para transformar de forma constante el Festival de Bayreuth en un espacio libre y democrático, sin olvidar ni negar jamás la historia. Con determinación y un enorme compromiso personal ha iniciado una profunda transformación, una labor por la que las generaciones futuras le estarán agradecidas.


Solo cabe lamentar que este acto no se celebrara el mismo día de la inauguración, cuando estaban presentes todos los representantes políticos. Porque el mensaje de Friedman no se dirigía únicamente al pasado. Como él mismo subrayó, la cuestión no es solamente Auschwitz o la Shoah, por fundamentales que estos sigan siendo. Lo verdaderamente importante es comprender los mecanismos políticos y sociales que hacen posibles los sistemas totalitarios.


Cada verano, Bayreuth se convirtió en la capital de un régimen totalitario desde el que Hitler impulsaba la guerra y el exterminio. El problema no es Wagner en sí mismo, ni tampoco únicamente el antisemitismo —por más que este aspecto haya sido frecuentemente malinterpretado y requiera una lectura rigurosa—. La cuestión esencial es el uso de la cultura y de las instituciones culturales como instrumentos de poder político.


Hitler no instrumentalizó únicamente la música de Wagner. Prácticamente ningún símbolo cultural escapó a la manipulación: la Navidad, las festividades religiosas, la literatura o incluso monumentos históricos como la colegiata de Quedlinburg fueron apropiados por la propaganda del régimen.


Basta recordar el concierto que Vladímir Putin organizó hace algunos años en el teatro romano de Palmira junto a la Orquesta del Teatro Mariinski bajo la dirección de Valery Gergiev —una institución que hoy ya no existe tal como entonces la conocíamos— para comprender hasta qué punto situaciones similares siguen reproduciéndose en diferentes lugares del mundo. Con demasiada frecuencia nos fijamos únicamente en el acontecimiento, en el espectáculo, en la música o en el resultado visible, sin analizar los mecanismos que hacen posible semejante instrumentalización política de la cultura.

Mientras existan formas semejantes de apropiación política de la cultura en cualquier lugar del mundo, Bayreuth tendrá la obligación de seguir recordando su propia historia.

Precisamente ahí reside la inquietante actualidad de las palabras de Friedman. También hoy asistimos en numerosos países al progresivo debilitamiento de las instituciones democráticas, al crecimiento de los movimientos extremistas y a una concentración del poder que vuelve a producirse con una facilidad alarmante. Una y otra vez sucede bajo el pretexto de un supuesto bien superior, mientras personas son privadas de sus derechos, perseguidas o incluso asesinadas.


Mientras estas dinámicas continúen existiendo, la memoria no constituye un ejercicio orientado al pasado. Es un deber democrático.

Por ello, este acto no debería quedar como un acontecimiento aislado. Debería celebrarse cada año, no como un ritual vacío, sino porque la memoria necesita ejercitarse continuamente. Quien afirma que todo esto ya ha sido dicho o que este capítulo debería darse definitivamente por cerrado no solo malinterpreta la historia. También malinterpreta el presente.


Tan conmovedor como necesario fue el marco musical de la velada. Semyon Bychkov abrió el acto con el Idilio de Sigfrido en una versión de cámara interpretada por miembros de la Orquesta del Festival. Pocas veces esta obra habrá sonado con un equilibrio tan delicado entre precisión técnica y refinamiento sonoro.

Bychkov no dirige mediante gestos grandilocuentes, sino con la precisión de un cirujano. Sus manos parecen revelar cada frase, separar cuidadosamente cada voz y volver a integrarlas después en un conjunto perfectamente equilibrado. Bajo su dirección, la partitura de Wagner mostró una transparencia y una belleza interior capaces de hacer que incluso los pasajes más conocidos parecieran nuevos.


El programa continuó con un quinteto de viento de Pavel Haas y el Cuarteto con piano en la menor de Gustav Mahler, ambos interpretados con un nivel artístico extraordinario. Solo quedó una ausencia simbólica: dada la naturaleza del acto, la inclusión de una obra de un compositor judío habría reforzado todavía más el significado de la velada.

Sin embargo, el verdadero mensaje de este día va mucho más allá.


La memoria nunca concluye. No es una ceremonia ni una formalidad histórica. Es una responsabilidad permanente de toda sociedad democrática.

Mientras existan ideologías que enfrenten a unas personas contra otras; mientras el poder político pretenda excluir o incluso eliminar a quienes piensan de manera diferente, recordar seguirá siendo no solo legítimo, sino absolutamente imprescindible.

Michel Friedman recordó en varias ocasiones unas palabras de su padre:


«La última palabra todavía no ha sido pronunciada.»

Porque debemos seguir defendiendo nuestra libertad y nuestros derechos.

Después lanzó una pregunta profundamente inquietante:

«¿Están ustedes seguros de que dentro de cinco años seguiremos viviendo en libertad y democracia?»


Es una pregunta que obliga a reflexionar. Me temo que, en la era de los teléfonos inteligentes y de las redes sociales, la libertad y la democracia llevan años perdiendo terreno de forma silenciosa y constante, y que la Declaración Universal de los Derechos Humanos está siendo pisoteada cada vez con mayor frecuencia, no solo en el resto del mundo, sino también en Europa, con el consentimiento silencioso de una mayoría cada vez más amplia.


Dr. Eloi de Tera

Director de Lohengrin Magazine

Comentarios


bottom of page