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Der fliegende Holländer in Gelsenkirchen

  • Veit Störmer
  • 3 ene
  • 3 Min. de lectura

Der fliegende Holländer, Richard Wagner

Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen

28.12.2025


Mit Richard Wagners Der fliegende Holländer zeigte das Musiktheater im Revier am 28.

Dezember eine interessante, kurzweilige und insgesamt werkgetreue Inszenierung. Die Regie von Igor Pison erzählt das Werk klar und nachvollziehbar, ohne es zu überfrachten. Die Platzierung der Pause zwischen dem zweiten und dritten Akt wirkt dramaturgisch etwas

unglücklich und wäre nach dem ersten Akt schlüssiger gewesen. Umso überzeugender

gelingt das alternative Ende, in dem der Holländer gleichsam vergeht und Senta sich

sichtbar aus einer toxisch-patriarchalen Welt löst, ein starker und zeitgemäßer

Schlussgedanke.


Giuliano Betta dirigierte einen zügigen und gut vorwärtsdrängenden Holländer, der vor allem

den kurzfristig eingesprungenen Sängern viel Sicherheit gab. Sein Ansatz ist überwiegend

lyrisch und atmend, auch wenn es stellenweise etwas zu laut wurde. Trotz einzelner kleiner

Ungenauigkeiten im Orchester waren viele Details sorgfältig herausgearbeitet und sorgten

für eine differenzierte musikalische Gestaltung.


Benedict Nelson gestaltete den Holländer nicht als wuchtige Heldenfigur, sondern als nach

innen gewandten Charakter. Sein Bariton besitzt weniger Breite und Lautstärke, überzeugt

dafür aber mit einer individuellen Klangfarbe und einer sehr durchdachten Rollenstudie.

Besonders der Monolog zu Beginn geriet eindrucksvoll und atmosphärisch dicht.


Susanne Serfling zeigte eine bewusst unkonventionelle Senta. Ihr Charaktersopran ist nicht

auf durchgehende Klangfülle angelegt, verfügt jedoch über gute Ausdauer und große

Ausdrucksbereitschaft. Die eher kühle Tongebung verleiht der Figur eine eigene,

interessante Kontur, die durch intensives Schauspiel unterstützt wird. Das Liebesduett wirkte

gerade durch die unterschiedlichen stimmlichen Ansätze der beiden Hauptpartien

ungewöhnlich, was jedoch auch als bewusste Reibung gelesen werden kann.

Lucas Singer als Daland und Matthias Koziorowski als Erik sprangen kurzfristig ein und

meisterten ihre Aufgaben überzeugend. Besonders Koziorowski beeindruckte mit

strahlendem Tenor, starker Bühnenpräsenz und sicherer Höhe. Singer gestaltete einen

klangvollen, lyrischen Daland mit warmem Bass. Almuth Herbst überzeugte als Mary mit

einem soliden, warm gefärbten Mezzosopran.


Insgesamt bot der Abend eine interessante und ernsthaft durchdachte Deutung von

Wagners Oper in einem oft unterschätzten Opernhaus in Nordrhein-Westfalen, die durch ihr

alternatives Ende und engagierte musikalische Leistungen nachwirkt.


Veit Störmer





With Richard Wagner’s Der fliegende Holländer, the Musiktheater im Revier presented on

December 28 an engaging, briskly paced and largely faithful production. Igor Pison’s staging

tells the story clearly and without unnecessary distortion. The placement of the interval

between the second and third acts feels dramaturgically somewhat awkward and would have

made more sense after the first act. All the more effective is the alternative ending, in which

der Holländer seems to dissolve, while Senta visibly emancipates herself from a toxic

patriarchal world, creating a strong and contemporary final image.


In the pit, Giuliano Betta led a forward-moving and well-paced performance that above all

offered strong support to the singers who had stepped in at short notice. His approach is

predominantly lyrical and flexible, even if it occasionally became a little too loud. Despite

some minor orchestral inaccuracies, many instrumental lines were clearly shaped, resulting

in a differentiated and lively sound.


Benedict Nelson portrayed der Holländer not as a monumental heroic figure but as an

inward-looking, fractured character. His baritone does not rely on sheer volume or breadth,

instead offering an individual timbre and a carefully considered character study. The opening

monologue, in particular, was atmospheric and compelling.


Susanne Serfling presented an intentionally unconventional Senta. Her character soprano is

not focused on continuous vocal weight, but it shows good stamina and strong expressive

intent. The cooler tone color gives the role a distinctive profile, supported by committed and

intense acting. The love duet felt unusual due to the contrasting vocal approaches of the two

protagonists, which can also be understood as deliberate dramatic tension.


Lucas Singer as Daland and Matthias Koziorowski as Erik both stepped in at short notice

and delivered convincing performances. Koziorowski stood out with a bright, ringing tenor,

strong stage presence and secure top notes, while Singer shaped a warm and lyrical Daland

with an appealing bass. Almuth Herbst was a solid Mary with a warmly colored

mezzo-soprano.


Overall, this was a thoughtful and engaging interpretation of Wagners opera in an often

underestimated opera house in North Rhine-Westphalia, leaving a lasting impression

through its alternative ending and committed musical performances.


Veit Störmer

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